12 Fragen an Sarah Wiener.

Es ist nicht so wichtig,
wie die Wahrheit ist.

Ob sie hilfreich ist.
Ob sie bei anderen gut ankommt.
Ob sie einem zu Ansehen verhilft.

Aber es ist wichtig,
die Wahrheit zu sagen.“

(Birgit Medlitsch)
1) Sie sagen oft, Sie legen Wert auf regionale Lebensmittel. Woher kommen die Produkte (Lebensmittel), die Sie im Gut Kerkow Bauernmarkt verkaufen aber nicht selbst produzieren? Von anderen Landwirten aus der Region oder von einem Grosshandel wie zum Beispiel Terra?

2) Sie sagten „Leute mit Knete und Fonds sehen Boden als Wertanlage und treiben die Preise in die Höhe. Eine bedenkliche Entwicklung.“ (Quelle: Kurier, 5.2.2016) Sind nicht die Mehrheitseigentümer der Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co KG Personen, die auf Immobilien und Immobilieninvestitionen spezialisiert sind? Nämlich Elenore Kaufhold und Jochen Beutgen (beide zu finden bei „Berliner-Häuser“)?

3) Sie bezeichnen Felder, auf denen nur eine Kultur wächst als Monkultur. (Quelle: Kronen Zeitung, 30.5.2015) Wissen Sie eigentlich, was eine Monokultur ist?

4) Warum finden auf Gut Kerkow Wahlkampfveranstaltungen der CDU statt? (Quellen: cdu-angermuende.de, Facebook)

5) In Bezug auf die 7 Bienenvölker auf Gut Kerkow sagten Sie „[…] die sind wirklich ganz allein mein Job.“ (Quelle: Berliner Zeitung, 17.6.2018). Ist das wirklich so?

6) Wie kommen Sie auf die Idee folgendes zu behaupten? „Jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist.“ (Quelle: Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) Diese Behauptung ist nämlich falsch.

7) Sie leben in einem Haus einige Kilometer vom Gut Kerkow entfernt. Warum leben Sie nicht am Gut? Und – haben Sie jemals dort gelebt, oder es nur hin und wieder besucht?

8) Wie ist es möglich, mit einem „erweitertem“ Ab-Hof-Verkauf, also mit der Gut Kerkow Bauernmarkt GmbH, im Jahr 2017 einen Verlust von rund 238.000 Euro zu erwirtschaften und geschäftlich so zu verfahren, dass in der Bilanz für das Jahr 2017 auch noch ein Verlustvortrag von rund 614.000 aus den Vorjahren ausgewiesen ist? Wie geht das? (Quelle: unternehmensregister.de)

9) Warum glauben Sie, dass Ihre „Idee“ der 7-jährigen Fruchtfolge ein Novum ist?

10) Warum bezeichnen Sie Gut Kerkow zur Übernahmezeit als desolat und völlig marode? (Quellen: Buch „Bienenleben“ und Berliner Zeitung, 17.6.2018) Hat nicht der frühere Eigentümer Johannes Niedeggen Gut Kerkow zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht?

11) Sie sagten „Ich kenne einen Rote-Rüben-Bauern, der auf zwei Hektar in Bio-Qualität produziert und davon lebt.“ Definieren Sie „Bio-Qualität“ und erklären Sie, wie Sie auf die Idee kommen, dass das funktioniert? (Anmerkung: bitte den notwendigen Fruchtfolgeabstand, Pachtzahlungen sowie Kosten für Sozialversicherung, Saatgut, Kulturführung, Ernte, Vermarktung etc. in die Berechnungen einfließen lassen.)

12) Im Wahlkampf für die EU-Wahl 2019 sprechen Sie unter anderem von „Bauernbefreiung“. Wovon und/oder von wem möchten Sie die Bauern befreien, und wie soll das vonstatten gehen?


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14

7 Fragen an die Grünen*.

*Grüne = Die Grünen – die grüne Alternative (Österreich)

In den letzten Tagen gab es Beschwerden darüber, dass Journalisten bei Pressekonferenzen keine Fragen stellen dürfen.
Diese Kritik hat sich vornehmlich gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz gerichtet.
Aber auch die Grünen finden es nicht wert, Fragen von Journalisten zu beantworten. So zum Beispiel meine Fragen, die ich vor einigen Tagen per E-Mail an die Pressestelle der Grünen geschickt habe.
Die Grünen sprechen viel über die Landwirtschaft und allem, was dazugehört.

Sie verwenden dabei Ausdrücke, die sie nicht näher erklären.
Viele kennen diese Ausdrücke nicht.
Und viele stellen sich darunter etwas vor, was nicht ist.

Das habe ich zum Anlass genommen, einmal Klarheit zu schaffen. Klarheit darüber, was die Grünen eigentlich wollen. Und das kann man nur klären, wenn man weiss, was sie meinen.

So habe ich mich als Bloggerin „erdreistet“ einige Fragen an die Grünen zu mailen.
Und zwar am 13. und am 17. Mai 2019. Vor 9 bzw. 5 Tagen.
Leider habe ich bis heute von den Grünen keine Antwort bekommen.
Da kann man natürlich sagen, oh, die haben jetzt so viel Stress, aber – wenn man Ausdrücke immer und immer wieder verwendet, ist es sicher kein Problem, die aus dem Effeff und ganz nebenbei zu erklären.

Hier sind meine Fragen:

Was verstehen Die Grünen unter:
1) Kleinstrukturierter Landwirtschaft
2) Agrarindustrie
3) industrieller Landwirtschaft
4) Monokultur
5) Agrarwende
6) neuer Landwirtschaft
7) Bauernbefreiung?

Ich möchte den Spitzenkandidaten, Herrn Werner Kogler, sowie die von ihm bezeichnete Agrarexpertin, Frau Sarah Wiener, um eine kurze Definition und Abgrenzung dieser Begriffe bitten.

Gleich hier als Kommentar oder via E-Mail: redaktion@dasistlos.at

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12

Märchen Nummer 5 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Eine prominente Köchin bezeichnet sich selbst als theoretische Landwirtin, Chef-Ideologin und Visionärin.
Für einige ist sie allerdings nur eine Meisterin der Selbstdarstellung. Eine, die oft über sich selbst, ihre Ansichten und „Werke“ spricht. Eine, die gerne Geschichten erzählt, mitunter sehr frech ist und auch laut werden kann.

Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau.

Und da sind sie wieder: Menschen, die Sarah Wiener als erfolgreiche Geschäftsfrau bezeichnen. Warum tun die das? Woher nehmen sie die Gewissheit, dass Sarah Wiener geschäftlich erfolgreich ist? Nur weil sie dieses oder jenes Unternehmen ihr eigen nennt, prominent ist und von einer Fernseh-Sendung zur nächsten eilt, laufend in Talkshows zugegen ist, ist sie noch lange keine erfolgreiche Geschäftsfrau. Oder hat das jemand anhand von Bilanzdaten überprüft?

Sarah Wiener betreibt einige Unternehmen. Diese habe ich schon in meinem Blog Märchen Nummer 2 ausführlich dargestellt und darf nun zwei davon einer eingehenderen Betrachtung unterziehen.

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Verluste im „Ab-Hof-Verkauf“.

Sehen wir uns zum Beispiel den „Ab-Hof-Verkauf“ von Gut Kerkow an, also den erweiterten (es werden auch Produkte zugekauft), der unter „Gut Kerkow Bauernmarkt GmbH“ firmiert. So wie ich es verstanden habe, dient dieses Unternehmen hauptsächlich dem Verkauf des Fleisches der Rinder von Gut Kerkow. Darüber hinaus werden auch Lebensmittel zugekauft und die Sarah Wiener Kollektion angeboten. Im Jahr 2017 hat dieses Unternehmen einen Verlust von 237.997 Euro* erwirtschaftet. Auch findet man in der Bilanz für das Jahr 2017 einen Verlustvortrag vom Jahr 2016 in der Höhe von 614.078 Euro*. Also ich habe selbst einen Ab-Hof-Verkauf, und damit habe ich noch keinen Cent Verlust gemacht. Wie macht man das? Was läuft dort falsch?

Auch Brot backen lohnt sich scheinbar nicht.

Ein weiteres Unternehmen ist die „Das ist Brot GmbH“ (früher: „Sarah Wiener Holzofenbäckerei GmbH“): da sehe ich im Jahr 2017 einen Verlust von 163.669 Euro*. Im Jahr 2016 ein Verlust von 53.076 Euro*, 2013 ein Verlust von 165.123 Euro* und 2012 ein Verlust von 173.244 Euro*. Lediglich in den Jahren 2014 und 2015 wurden schwarze Zahlen geschrieben (81.609* bzw. 6.177 Euro*).

Wenn ich mir das so ansehe, hätte ich spätestens im Jahr 2016 das Unternehmen „dicht“ gemacht. Also ich sehe die erfolgreiche Geschäftsfrau nicht. Aber vielleicht bedeutet Erfolg heutzutage nicht „schwarze Zahlen schreiben“, sondern sich irgendwie durchzuschlagen – mit Unterstützung von Banken oder Investoren. (*Quellen: northdata.de, unternehmensregister.de; Angaben ohne Gewähr.)

Die Partner der Sarah Wiener.

Jochen Beutgen und Elenore Kaufhold sind langjährige Partner von Sarah Wiener.
Beide beschäftigen sich beruflich intensiv mit Immobilien.
Elenore Kaufhold hat 1999 das Unternehmen Berliner Häuser gegründet und verwaltet dort heute als Geschäftsführerin 660.000 Quadratmeter Fläche mit 27 Millionen Euro Mietvolumen (Quelle: www.berliner-haeuser.de, Stand 13.5.2019).
Jochen Beutgen ist seit 2004 bei den Berliner Häusern „und hat die Firmen-Gruppe mit aufgebaut“. So liest man auf der Homepage des Unternehmens. Weiter heisst es: „Er ist der Experte für Wertsteigerung von Bestandsimmobilien und engagiert sich außerdem selbst vielseitig als Immobilieninvestor.“ (Quelle: www.berliner-haeuser.de, Stand 13.5.2019)
Auch politisch engagiert er sich. Allerdings nicht wie Sarah Wiener für die Grünen, sondern für die CDU.
Jochen Beutgen ist Vorsitzender des Stadtverbandes der CDU Angermünde und vertritt Angermünde als Beisitzer im Kreisvorstand der CDU Uckermark.
Angermünde ist eine Stadt mit rund 14.000 Einwohnern, in der im Stadtteil Kerkow das Gut Kerkow und im Stadtteil Dobberzin das neue Haus von Sarah Wiener zu finden sind.

Gut Kerkow wird vielseitig genutzt.

Nicht nur Autorenlesungen werden von der CDU auf Gut Kerkow organisiert und angeboten. Auch CDU-Veranstaltungen wurden in letzter Zeit auf Gut Kerkow abgehalten. So lud Jochen Beutgen anläßlich der im April 2018 stattfindenden Landratswahl am 28. März 2018 zur Diskussion mit CDU Landratskandidatin Karina Dörk und CDU-Bundestagsmitglied Jens Koeppen auf Gut Kerkow. Und auch die Kandidaten der CDU für die Stadtverordnetenversammlung und den Ortsbeiräten wurden auf Gut Kerkow gewählt. Jochen Beutgen wird bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 als Spitzenkandidat für die CDU antreten. Die Verantwortliche für Presseanfragen der CDU Angermünde kandidiert auf Platz 6 und ist als Buchhalterin auf Gut Kerkow beschäftigt. (Quelle: cdu-angermuende.de)

Gut Kerkow kann noch mehr.

Gut Kerkow ist somit nicht nur die Basis für Sarah Wieners Wissen im Bereich der Landwirtschaft. Also, was man so als Wissen bezeichnen kann. Werner Kogler hat jedenfalls in der ORF Pressestunde am 12. Mai 2019 behauptet, sie hätte Fachwissen. Gut Kerkow dient sozusagen als Beweis für ihr angebliches Wissen und Können. Als Beweis für ihre guten Absichten. Als Beweis für ihren „grünen Aktivismus“. Eine Art Rechtfertigung.
Kurz gesagt: Gut Kerkow verhilft Sarah Wiener zu Glaubwürdigkeit im Bereich der Landwirtschaft.
Zumindest das, was sie uns vom Gut erzählt.
Wüßten wir alles über das Gut, wäre sie vielleicht nicht mehr so glaubwürdig.

Was hat die CDU mit den Grünen zu tun?

Eigentlich ist das nicht die Frage. Die Frage ist vielmehr, ob es ohne das Zutun von CDU-Mann Jochen Beutgen Sarah Wiener auf Gut Kerkow gäbe. Ja, ob es überhaupt die vielen Unternehmen und die Stiftung der Sarah Wiener gäbe.

Diese Frage beschäftigt mich schon länger, vor allem, seit ich das Unternehmenskonstrukt und die Beteiligungen gesehen habe. Jochen Beutgen und Elenore Kaufhold, deren Investitionen und jene von Unternehmen, in denen vor allem Jochen Beutgen leitende Funktionen innehat, halten Sarah Wiener den Rücken frei und stärken sie in finanzieller Hinsicht. Sie unterstützen sie .

So hat sie Zeit und kann sich „guten Taten“, dem Schreiben von Büchern und „Visionen“ widmen.
Sie hält Vorträge, tritt im Fernsehen und in Talkshows auf und gründet eine Stiftung. Sie tut Gutes und spricht sehr gerne und sehr viel darüber. Sie macht sich interessant. Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) lud sie sogar als Gastrednerin zum informellen Treffen des EU-Agrarrates im September 2018 nach Schloss Hof ein.

Darüber schütteln heute noch zahlreiche Landwirte und Bauernbundmitglieder den Kopf.
Denn: Anfang 2019 präsentieren die Österreichischen Grünen Sarah Wiener als ihre Kandidatin auf dem 2. Listenplatz für die EU-Wahl 2019.




Die Sarah Wiener Marketing-Wolke.

Sarah Wiener ist jemand, der gerne Geschichten erzählt. Sie hat die Fähigkeit eine grosse, flauschige Marketingwolke zu basteln, in der sich Menschen wohl fühlen. Denn in dieser Wolke ist alles gut. Die Welt darin ist perfekt. Alles „schlechte“ wird eliminiert. Das Gute siegt. Und kaum jemand stellt sie in Frage, die Wolke von Sarah.

Sie betreibt Märchenwolken-Marketing und täuscht mit Halbwahrheiten. Und sie täuscht auch die, die auf sie zählen, und all ihre Hoffnung in sie setzen: Die Grünen.

Sie erzählt uns vom desolaten Gut Kerkow, das ihr führungslos erschien und von ihr und ihren Partnern „gerettet“ wurde. Sie erzählt uns von ihren Visionen, die sie auf Gut Kerkow umgesetzt hat. Von der 7-jährigen Fruchtfolge, von der ökologischen Landwirtschaft und von Angus-Rindern. Von sieben Bienenvölkern, um die sie sich angeblich persönlich kümmert. Sie erzählt uns, dass Bio-Landwirtschaft auch ohne Agrarsubventionen möglich ist, dass man von zwei Hektar Rote Rüben in „Bio-Qualität“ leben kann, und dass „ihre“ 800 Hektar für künftige Generationen geborgt sind. Und dann erzählt sie uns von 29 Mitarbeitern, die auf Gut Kerkow leben und arbeiten.

Bei all diesen schönen Geschichten vergisst sie, dass sie Großgrundbesitzerin ist, dass man Agrarförderungen nicht beantragen muss, dass Gut Kerkow und die Unternehmen rund um Gut Kerkow und Sarah Wiener zu einem grossen Teil Investoren gehört, und dass Johannes Niedeggen Gut Kerkow eine gute Zeit vor ihr aufgebaut hat. Sie vergisst, dass Gut Kerkow damals ein Vorzeigebetrieb war, und dass das, was sie als ihre Vision bezeichnet, großteils schon da war. Vor ihr. Und sie sagt das auch nicht.

Sie hat Zeit für Geschichten. Sie muss sich nicht täglich um die Landwirtschaft kümmern. Auch nicht um die Unternehmungen, die der Sarah Wiener GmbH gehören. Sie hat auch offenbar keine finanziellen Probleme, obwohl es scheinbar nicht so gut läuft. Irgendwie hat sie es geschafft, Leute zu finden, die ihr das alles vom Leib halten, damit sie sich auf das konzentrieren kann, was sie am besten kann: Geschichten erzählen.



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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Biobäuerin. Oder: Sarah Wiener braucht keine Bank.


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92

Märchen Nummer 4 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Da gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben nach der Natur ausrichten. Sie dreschen bei 40 Grad das Korn oder bringen bei nicht weniger Hitze das Heu ein. Sie richten ihr Leben nach den Bedürfnissen der Tiere, die bei Ihnen am Hof leben, aus. Sie kennen keinen Feierabend, kein Wochenende und keine Feiertage.
Die Natur bestimmt ihr Leben.

Diese Menschen nennt man Bauern.

Das Märchen von der Bio-Bäuerin.

Und dann gibt es Investoren. Investoren, die Land kaufen. Land, das bisher Bauern ihr eigen nannten. Und es gibt eine Visionärin, die von diesen Investoren unterstützt wird. Eine Visionärin, die Mitarbeitern beim Arbeiten gerne über die Schulter schaut und mit den Tieren am Hof kuschelt. Eine Bio-Bäuerin, die fröhlich in feine Gewänder gekleidet vor der alten Backsteinmauer für ein Photoshooting eines Magazins posiert, und ganz nebenbei Landwirten viele gute Tips gibt.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „Ich hatte diese Sehnsucht in mir, in der Natur zu wohnen und mich von meiner eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Mich mit dem Land und dem, was da wächst zu verbinden.“ Warum tut sie es dann nicht? Im Interview sagt sie nämlich, dass sie nicht im Kuhstall stünde und ausmisten würde, und schon gar nicht morgens um sieben. Eine Zeit lang hätte sie am Gut gewohnt, dann hat sie in der Nähe ein Haus errichtet. Dazu meint sie „Ich habe das gemacht, weil es auf dem Hof keine private Ecke gibt.“ Sie selbst bezeichnet sich als theoretische Bio-Bäuerin, und das ist sie auch. Sie nennt Schweinerassen manchmal „Sorten“, und spricht Landwirten das ab, das dafür sorgt, dass sie ihre Höfe noch bewirtschaften können: die Agrarsubventionen.

Das Märchen von den Roten Rüben.

Im Interview mit dem Kurier (5.2.2016) meint sie unter anderem: „Ich kenne einen Rote-Rüben-Bauern, der auf zwei Hektar in Bio-Qualität produziert und davon lebt.“ Ja, so stellt sie sich das vor, die Sarah. Wenn es nur so einfach wäre. Das Leben. 2 Hektar Rote Rüben und es geht uns gut. Wenn ich nun behaupte, ich hätte mir nur die Hände vor’s Gesicht gehalten und den Kopf geschüttelt, würde ich lügen. Schreien könnte ich. Laut schreien, bei derlei Behauptungen.

Es ist unfassbar, welche Märchen hier erzählt werden.

Also: zuerst einmal die Ausdrucksweise.
Es gibt keine „Bio-Qualität“!
Es gibt bio (kontrolliert biologischer Anbau = kbA) oder konventionell.


Als Bio-Gemüsebäuerin tut mir diese Aussage richtig weh. Schon einmal etwas von Fruchtfolge gehört? Ah ja, da gab’s ja die Sarah-Vision von der 7-jährigen Fruchtfolge. Die hätte sie auf Gut Kerkow eingeführt. Und jetzt sind wir wieder bei der Fruchtfolge, über die Bäuerinnen und Bauern sehr, sehr gut Bescheid wissen. Sarah Wiener offenbar nicht, obwohl sie diesbezüglich ja Visionen hat (siehe Märchen Nummer 3 ). Denn nach Roten Rüben darf man zumindest in den drei folgenden Jahren keine Roten Rüben am gleichen Platz anbauen. Und wenn dieser Biobauer von zwei Hektar Roten Rüben leben wollte, bräuchte er mindestens acht Hektar Grund und eine ordentliche Fruchtfolge, müßte also während der drei Jahren „Pause“ andere Kulturen anbauen.

Und ich glaube, ich weiss, welchen Bio-Bauern sie meint. Und wenn es wirklich dieser Bio-Bauer ist, dann bewirtschaftet er cirka 100 Hektar, hat 2017 rund 66.000 Euro Förderung erhalten, und baut nicht nur Rote Rüben an, sondern – laut Biozertifikat – auch Getreide, Erdäpfel, Hülsenfrüchte und Gemüse. Und diese anderen Kulturen braucht er auch. Weil sonst nämlich seine Roten Rüben nicht wachsen.

Wenn ich mir das alles so überlege, weiss ich nicht, ob eine Visionärin, die sich mir gerade im Bereich der Landwirtschaft als teilweise sehr unwissend darstellt, und die manchmal etwas erzählt, was nicht so ganz stimmt, wirklich dafür geeignet ist, mitzubestimmen, wohin es in der europäischen Agrarpolitik gehen soll. Denn: die Agrarpolitik ist nicht irgendein kleines Teilchen im grossen Ganzen der EU.

Die Agrarpolitik ist der größte und wichtigste Teil.




Das Märchen von den Bienen.

„Darüber hinaus wollen wir mit weiteren Nutztieren wie Bienen ganzheitlicher Landwirtschaft nachgehen.“ liest man auf der Homepage von Gut Kerkow. Weiter heisst es „[…] haben wir rund um Gut Kerkow insgesamt 7 Bienenvölker auf unseren Weiden und Ackerflächen etabliert, um die sich Sarah Wiener persönlich kümmert.“

Also 7 Bienenvölker sind jetzt nicht so viel bei 800 Hektar Fläche. Noch dazu wenn man ganzheitliche Landwirtschaft betreibt. Da gibt es Platz für mehr. Allerdings würde man dann auch mehr Personal benötigen. Der Zeitwaufwand für die Betreuung von 7 Bienenvölkerern beträgt im Jahresschnitt rund 3-4 Stunden pro Woche.

Und hier wird man dann stutzig. Kümmert sich Sarah Wiener wirklich persönlich um diese 7 Bienenvölker? In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „…die sind wirklich ganz allein mein Job.“ Eine Nachfrage auf Gut Kerkow hat ergeben, dass Sarah Wiener dafür noch jemanden hat, der das übernimmt, da sie ja nicht so oft da wäre, am Gut.

Wenn man schon den Bauern erzählen möchte, wie sie ihre Arbeit machen sollen, dann muss man auch selbst diese Arbeit machen. Und nicht machen lassen. Und man muss auch selbst alle finanziellen Risiken tragen. So wie die Bauern auch, die immer wieder als Bittsteller bei Banken vorstellig werden müssen.

Sarah Wiener braucht keine Bank.

Wenn man natürlich eine Gruppe von freudvollen Finanziers (siehe Märchen Nummer 2 ) an der Hand hat, die einem den Rücken stärkt, die einem alle finanziellen Risiken und Sorgen abnimmt, und – wenn es sein muss – locker-flockig das Eigenkapital aufstockt, man zudem – in diesem Fall für die Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co. KG – nicht haftet, dann lässt es sich sehr engagiert über eine Kürzung und/oder Veränderung von Agrarsubventionen sprechen.

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Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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112

Märchen Nummer 3 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

In einem Interview mit der dpa (Deutsche Presse-Agentur, April 2019) bezeichnet sich Sarah Wiener in Bezug auf Gut Kerkow als „Chefideologin“, die Visionen hat.

In diversen Interviews mit ihr kann man nachlesen und nachhören, was sie nicht alles erneuert und verbessert und auch „neu erfunden“ hat.
Auch – so kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – soll Gut Kerkow für sie etwas desolat und führungslos gewirkt haben. In einem Interview (Berliner Zeitung 17.6.2018) spricht sie sogar von einem völlig marodem und verschuldetem Hof.

Bild: David Zydd auf Pixabay.


Das Märchen von der Visionärin.

Sarah Wiener hat – gemeinsam mit ihren Partnern – Gut Kerkow im Jahr 2014 gekauft.
Der vorherige Eigentümer, und sehr bekannte und angesehene Diplomagraringenieur, Johannes Niedeggen, war im Jahr 2013 am Gut tödlich verunglückt.

Nun heisst es, Gut Kerkow befände sich seit der Übernahme in Sanierung (Jochen Beutgen gegenüber Ö1; Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019).

Das alles klingt so, als wären Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Wunderwuzzis, die einen angeblich herabgewirtschafteten Hof auf Vordermann bringen. Dazu kommt noch eine selbst ernannte Bio-Bäuerin und „Visionärin“, die uns erzählt, welche ihrer großartigen Visionen sie nicht alle aus Gut Kerkow umgesetzt hat. Schauen wir einmal ein wenig in die Vergangenheit. War das nicht schon alles vorher da?

Der Visionär, der Gut Kerkow aufgebaut hat.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt: Johannes Niedeggen.
Am 3. Mai 1994 hat er Gut Kerkow von der Treuhand gekauft, und zwar ohne Mitarbeiter und ohne Rinder.
Er war ein Visionär, der Gut Kerkow mit Liebe und Hingabe zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht hat. Davon zeugen viele Medienberichte, unter anderem eine 5-seitige Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011.

Ihm war das nachhaltige Wirtschaften ein grosses Anliegen, und das hat er auf Gut Kerkow in Form der Kreislaufwirtschaft umgesetzt. Auch zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen trug er bei, und machte Gut Kerkow zu einem von 70 Archehöfen Deutschlands.

Neben der Milchkuhhaltung hat er bereits 1994 mit der Aberdeen-Angus-Zucht begonnen und eine Herde mit 100 Angusmutterkühen aufgebaut. Er hat sich für erneuerbare Energie eingesetzt und eine Biogasanlage sowie eine öffentliche Tankstelle für Diesel und Pflanzenöl gebaut. Zwei seiner Traktoren hat er für Rapsöl umgerüstet und konnte das kaltgepresste Rapsöl als Treibstoff nutzen. Auch war er bei der größten europäischen Biofachmesse, der Biofach, im Jahr 2012 Vortragender zum Thema Biogas.
Er baute das Gutshaus zur Pension um, richtete eine Gaststätte, einen Veranstaltungsraum und einen Bauernmarkt ein. Überdies baute er eine „Registrierte Schlachtstätte“ für die Hofschlachtung. Er setzte sich sehr für das Tierwohl ein und ließ seine Schafe und Rinder das ganze Jahr über halbwild auf den Wiesen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin leben. Johannes Niedeggen hat 5 Millionen Euro investiert und 22 Arbeitsplätze geschaffen. (Quelle: Homepage von Gut Kerkow vom 24.12.2006)

Also alles schon da, als Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Gut Kerkow kaufen, oder? Und von desolat oder marode kann auch nicht die Rede sein. Denn: der Ortsvorsteher von Kerkow, Reinhard Koslowski beschrieb 2013, als Johannes Niedeggen verunglückte, Gut Kerkow als moderenen Bio-und Erlebnishof, der sich durch zahlreiche Initiativen, von Regionalvermarktung bis Landpartie, einen Namen gemacht hat, der weit über Kerkow und die Uckermark ausstrahlt. (MOZ, 28.2.2013)

In ihrem neuen Buch schreibt Sarah Wiener „Vor allem aber wurden vor einigen Jahren die ersten Weichen in Richtung ökologische Landwirtschaft gestellt.“ Eigentlich war der Betrieb bereits seit 2011 komplett auf bio, also ökologisch, umgestellt. Da waren keine Weichen mehr. Es war alles schon erledigt. Auch Bilder des Guts aus der Zeit von Johannes Niedeggen und Berichte darüber zeigen einen wunderbaren Bio-Gutsbetrieb. Ich sehe jetzt nicht grossartig eine Änderung durch Sarah Wiener als „Chefideologin“. Aber schauen wir uns doch eine ihrer „visionären“ Ideen an.

Die Vision von der Fruchtfolge.

Wenn sie sagt „Meine Idee war zum Beispiel einfach die siebenjährige Fruchtfolge einzuführen.“ (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) kann es sein, dass viele Landwirte komische Gesichter machen.

Johannes Niedeggen hat es sicher nicht viel anders gemacht, denn angesichts der Kulturen, die er angebaut hat (Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011), war auch nicht viel anderes möglich.




Landwirte achten grundsätzlich auf die Fruchtfolge. Vielleicht nicht sieben Jahre, aber sie planen mindestens 5 Jahre voraus, denn sie möchten ja eine gute Ernte. Und das funktioniert ohne kluge, geplante Fruchtfolge nicht. Noch dazu gibt es etliche Kulturen, die einen Fruchtfolgeabstand von mindestens 4-5 Jahren benötigen. Das gilt nicht nur für Bio-Betriebe, sondern auch für die konventionelle Bewirtschaftung.

Laut dem letzten Biozertifikat gibt es auf Gut Kerkow Silomais, Grün- und Raufutter und Getreide. Eine Rückfrage am Gut Kerkow hat ergeben, dass kein Mais angebaut wird, sondern Gerste, Roggen, Winterweizen, Dinkel, Sommerroggen und Sommerhafer. Für die Fruchtfolge wird zwischen diesen Kulturen 2 Jahre, manchmal auch länger, Kleegras angebaut (das für die Rinder benötigt wird).

Ich frage mich, was daran gross neu und innovativ sein soll? Das machen andere Landwirte auch. Das hat Sarah Wiener nicht erfunden. Vor allem: wenn man mit dem, was man anbaut, hauptsächlich Tierfutter „produzieren“ muss, dann hat man nicht viele Möglichkeiten. Das ist sozusagen „aufgelegt“, wie wir Österreich so schön zu sagen pflegen.

Bei der Auswahl von Getreide und Kleegras ist der Plan für die nächsten sieben Jahre nicht sehr kompliziert. Es gibt Bio-Landwirte, die bauen andere Kulturen an, da wird das schon weit komplexer.
Und warum wird auf Gut Kerkow kein Gemüse angebaut? Dann könnte man das eigene Gemüse über den Bioladen vermarkten und müßte das nicht zukaufen. Kürbisse, zum Beispiel, würden sich bei den sandigen Böden dort sehr gut eignen. (Auch ich kann gute Tips geben.)

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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaf tund Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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Märchen Nummer 2 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Die Vorgeschichte: In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagte Sarah Wiener: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“

Diese Aussage ist falsch, wie unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in einem Schreiben erklärt.


Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner.

Sprechen wir über die Empfänger von Agrarförderungen, die „keine Bauern sind“. Sprechen wir über Sarah und ihre Landwirtschaft. Gut Kerkow. Das ist zwar ein landwirtschaftlicher Betrieb, aber – wer sind die Eigentümer? Sind das Landwirte? Wer sind die von Sarah Wiener immer im Zusammenhang mit Gut Kerkow und der Sarah Wiener Gruppe genannten Partner?

Es sind Investoren. Grosse Investoren. In einem Interview (erschienen im Kurier am 5.2.2016) sagte Sarah Wiener: „Leute mit Knete und Fonds sehen Boden als Wertanlage und treiben die Preise in die Höhe. Eine bedenkliche Entwicklung.“

Und auch der frühere Eigentümer von Gut Kerkow, Johannes Niedeggen (2013 tödlich verunglückt), war dieser Meinung. In einem Report von Deutschlandfunk Kultur im Jahr 2008 ist unter anderem über ihn zu lesen: „Was ihm nicht gefällt, ist der Einstieg von Finanzinvestoren in die Landwirtschaft“.

Bei Sarah Wieners Partner handelt es sich nicht nur um Personen, sondern auch um Gesellschaften (Ges.m.b.H.) und AGs. Rund um Sarah Wiener findet sich ein Firmengeflecht, bei dessen Betrachtung man sich schon fragt: ist das wirklich notwendig? Da gibt es einen Gutsbetrieb, der 800 Hektar bewirtschaftet. Er ist auf die Rinderzucht und die Vermarktung von Rindfleisch spezialisiert und verfügt über eine Biogas-Anlage und einen Ab-Hof-Verkauf mit Bioladen. Eine ganz simple Sache.

Und dann sieht man das Unternehmenskonstrukt rund um Gut Kerkow und fragt:
Was hat das mit Landwirtschaft zu tun?


Firmengeflecht-gross-mit-GF


Wenn man sich das so ansieht, dann könnte man meinen, mit all den Finanziers im Hintergrund könnte Sarah Wiener ganz locker auf Agrarsubventionen verzichten. Vor allem weil sie ja dagegen ist, dass diejenigen, die keine Landwirte sind, welche erhalten. Verzichten ist auch ganz einfach. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen.

Werner Kogler (Die Grünen) verteidigt die Förderungen (2017: 316.867 Euro, 2016: 320.100 Euro) für den Hof von Sarah Wiener in der ZIB 2 am 17.3.2019 und meint „[…] Sie hat einen biologischen Hof, der mit Hofschlachtung – alles pico bello – sie haben die Bodenhaltung bei Tieren […] Das ist ja ein Kollektivgut. Sie müssen ja verstehen: das war in der ehemaligen DDR dort. Das ist dort ein kleiner oder mittlerer Betrieb. Das ist eine völlig andere Situation dort an der polnischen Grenze. Im übrigen haben sich das ja mehrere aufgeteilt, und sie hat einen Anteil von 20 Prozent.“

Also ich gehe schon davon aus, dass auf Gut Kerkow die Rinder und Schweine auf dem Boden gehalten werden, wie auf anderen Bauernhöfen auch. Was da an der polnischen Grenze – knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer – grossartig anders sein soll als bei uns, weiss ich jetzt nicht. Und dass sich die Eigentümer von Gut Kerkow die Agrarsubventionen aufgeteilt und quasi nach Hause genommen haben sollen, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Aber wenn eine „kollektive Landwirtschaft à la Werner Kogler“ so aussieht wie jene von Gut Kerkow (siehe Graphik), dann haben die Grünen vielleicht ein kleines ideologisches Problem.
Übrigens: die Mitarbeiter sollen – laut telephonischer Nachfrage am Gut – nicht beteiligt sein.

Agrarland entwickelt sich immer mehr zu einer sehr attraktiven Anlageform für Investoren und Großkonzerne. Der Ausverkauf der Landwirtschaft läuft bereits über Jahrzehnte. Vor allem im ehemaligen Ostdeutschland wurden nach der Wende Agrarflächen zu Anlagezwecken von finanzstarken Unternehmen erworben.


Nun fällt einem in diesem Firmengeflecht ein Name immer wieder auf: Jochen (Thomas) Beutgen (geb. Becker). Er ist immer „mit dabei“. Zumeist als Gesellschafter, Geschäftsführer, manchmal auch als Prokurist oder in anderer Funktion. Man muss nicht lange recherchieren, um ihn in vielen Unternehmen, hauptsächlich im Immobilien- und Beteiligungsbereich, in unterschiedlichen Funktionen zu finden. Einige Beispiele sind: Becker Vermögensverwaltung KG, Berlin Bioinvest GmbH, Dirk Buddensiek Holding GmbH, Social Enterprise Holding Berlin AG und Trafo Investment GmbH.

Bis 2018 war Jochen Beutgen persönlich haftender Gesellschafter in der damaligen Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb KG. Dann wurde die Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH als 100%-ige Tochter der Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co.KG gegründet. Und die neu gegründete Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH wurde Komplementärin des Mutterunternehmens. Wozu das gut sein soll? Das kann jeder für sich interpretieren.

Angesichts der sehr interessanten Unternehmens- und Beteiligungskonstellationen rund um Sarah Wiener und Gut Kerkow muss man sich fragen, mit wem und womit man es zu tun hat. Und wer hat hier eigentlich das Sagen?



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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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43

Märchen Nummer 1 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Wir sehen weites Land.
Unser Land.
Das Land unserer Bauern.
Land, auf dem das wächst, was wir brauchen.
Bestellt, behütet und beerntet.
Da steht er, der Bauer.
Ein Mensch, der nichts anderes möchte,
als das bewahren, was uns ernährt.
Wissend um die Natur. Wissend um alles,
was das bedroht, was uns ernährt.

Er lebt in und mit der Natur und trotzt ihren Gewalten, wenn es darum geht, das zu tun, was getan werden muss. Weil es die Natur verlangt. Und er tut es gern. Und ehrlich.

Und jetzt?
Jetzt kommt Sarah.
Sarah erzählt ihm, dass er es nicht richtig macht.
Also falsch macht er es.
Ganz falsch.
Und Geld bekommt er. Agrarsubventionen, also Förderungen.
Und die soll er gar nicht bekommen.
Sagt Sarah.

Das Märchen von den Agrarsubventionen.
Sarah erzählt uns etwas über Landwirtschaft. Sie erzählt von Agrarsubventionen, die jeder bekommen kann. In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagt sie: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“
Gut, dass Sarah Wiener dagegen ist. Ich bin nämlich auch dagegen. Weil es so etwas nicht gibt. Das, was Sarah Wiener in diesem Interview gesagt hat, gibt es nicht.

Die Wahrheit über die Agrarsubventionen.
Wenn man kein Landwirt ist, bekommt man auch keine Agrarsubventionen. Um Agrarsubventionen, von unseren Bauern schlicht „Förderungen“ genannt, zu erhalten, muss man einen Antrag stellen, den sogenannten Mehrfachantrag. Dafür ist eine landwirtschaftliche Betriebsnummer erforderlich. Diese bekommt man nicht einfach so. Und es ist auch nicht egal, was man mit dem Land macht. Man muss darauf landwirtschaftliche Produkte erzeugen. Anbauen, kultivieren, ernten. Und noch vieles mehr müssen Landwirte tun, um überhaupt eine Chance auf irgendeine Förderung, sei es nur die von Sarah Wiener gerne genannte „Flächenprämie“, zu haben.
Sarah kann also gern dagegen sein, weil es das, was sie in einem Interview mit Ö1 von sich gibt, nicht gibt. Und sie kann sich hier auch nicht geirrt haben. Denn in Deutschland gelten die gleichen Regeln wie bei uns. Es handelt sich ja um Förderungen der EU.

Ich habe in Deutschland nachgefragt, und zwar in Bayern. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt unter anderem: „So gewährt z.B. die erste Säule Landwirten je Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche eine von Art und Umfang der Produktion unabhängige Direktzahlung. Um die Direktzahlungen zu erhalten, müssen allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind in Deutschland bzw. Bayern, wie in Österreich auch, u. a. eine Betriebsnummer und der Mehrfachantrag. Zudem müssen die Landwirte eine Reihe von Auflagen beim Umweltschutz aber auch bei der Lebensmittelsicherheit und beim Tierschutz einhalten. […] Die zitierte Aussage von Frau Sarah Wiener „Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist“ ist auch für deutsche bzw. bayerische Landwirte schlichtweg falsch.“

Da behauptet Sarah Wiener in einem Interview etwas, was hinten und vorne nicht stimmt, und niemand sagt etwas dazu. Kein Korrektiv.

Nicht von der Landwirtschaftsministerin, Elisabeth Köstinger, nicht vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, und nicht vom Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser. Wenigstens der – als Präsident einer Teilorganisation der ÖVP – hätte doch etwas sagen können, um diese Behauptungen, mit denen gegen Bauern gehetzt wird, richtig zu stellen. Nein.


Und die Medien? Was machen die? Die teilen das den Lesern 1:1 mit. Nicht nachgeprüft. Nicht kritisch hinterfragt. Einfach so. Abgeschrieben. Die APA schickt es aus, die deutsche Presseagentur ebenfalls, und diverse Tageszeitungen drucken diese falschen Behauptungen unkommentiert ab.

Eine Schande für die freie Presse und eine Schande für die Vertreter der Landwirte.
Da stellt sich schon die Frage, ob Journalisten nur noch „abschreiben“ oder auch noch selbst recherchieren können. Und – was noch schlimmer ist – ob Landwirte in Österreich noch eine Vertretung und Lobby haben. Aber – zurück zu Sarah Wiener. Wenn sie dagegen ist, dass jemand Agrarsubventionen erhält, der kein Landwirt ist, hätte sie ja für Gut Kerkow auf 316.867 Euro (im Jahr 2017, 320.100 Euro im Jahr 2016) verzichten können. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen. Die Förderungen kommen ja nicht automatisch. Da muss man schon etwas dafür tun.

Und sie hätte sie ja auch nicht nötig. Denn anders als die richtigen Landwirte, braucht Sarah Wiener keine Bank, bei der sie alle paar Monate untertänigst vorstellig werden muss. Sie braucht auch nicht zittern, dass sie den Kredit nicht zurückzahlen kann, weil die Ernte katastrophal schlecht ist, weil es nicht regnet oder der Derbrüsselkäfer die Zuckerrüben eliminiert hat.

Das braucht sie alles nicht. Warum? Das erfahren Sie in meinem nächsten Blog.

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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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Schmuckenschlager und die Macht.

Johannes Schmuckenschlager ärgert sich über Spargel aus Peru. Dies tut er auf Facebook kund. Mehr fällt ihm dazu nicht ein? Das ist schon ziemlich schwach für einen Nationalratsabgeordneten, der auch Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich ist.

Aha – Sie sind verärgert, Herr Schmuckenschlager.
Das stimmt mich bedenklich. Sehr bedenklich.

Quelle: Facebook, Posting vom 22. März 2019, 14:49 Uhr

Besonders dann, wenn ich Ihre vielen Funktionen betrachte.
Dann denke ich mir schon – Wahnsinn, wo sich der Mann überall engagiert?
Angesehen und geschätzt ist er.
Man hört auf ihn.

2005-2010 Kammerrat der Bezirksbauernkammer.
2007-2010 Landesobmann der Bauernbund Jugend Niederösterreich.
Seit 2008 Bezirksbauernratsobmann Klosterneuburg.
Seit 2008 Abgeordneter zum Nationalrat.
2009-2017 Vizepräsident des Österreichischen Bauernbunds.
Seit 2010 Bezirksbauernratsobmann Wien-Umgebung.
Seit 2013 Bundesweinbaupräsident des Weinbauverbands.
Seit 2018 Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Na? Wer hört auf Sie?

Denken Sie, dass Ihr Facebook-Posting irgendetwas ändert?
Irgendetwas?

Glauben Sie wirklich, dass Sie mit diesem Facebook-Posting Sympathien einheimsen?
Denken Sie das wirklich?

Quelle: Facebook, Posting vom 22. März 2019, 14:49 Uhr

Ja, es sieht so aus.
Sie glauben, dass nun alle, die Ihr Posting gelesen haben, denken:
„Ui, na der denkt ja so wie ich.
Ja so ein sympathischer Mann.
Toll, dass der im Nationalrat sitzt.
Und Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich ist er auch.
Ach ja, ich find‘ den super.
Toll, dass der so etwas über den Spargel schreibt.“

Nein, Herr Schmuckenschlager, so denkt man nicht. Man denkt: „Ui, so ein engagierter Mann. Er vertritt als Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich alle niederösterreichischen Bauern. Und er vertritt uns als Nationalrat im Parlament. Dort werden die Gesetze „gemacht“. Der ist mächtig.“ Schade nur, dass Ihre Macht dort aufhört, wo Wirtschaft und Handel anfangen.

Vielleicht sprechen Sie einmal mit den 3-5 Personen, die für den Einkauf im österreichischen Lebensmittelhandel verantwortlich sind. Die, die dafür sorgen, dass zum Beispiel heimische Bauern für ihre Bio-Erdäpfel zumeist nur 20 Cent pro Kilo bekommen, die dann von den Supermärkten um 1,49 Euro pro Kilo verkauft werden. Ja, ja. Reden Sie mit denen. Das sind auch die, die dann die von den Großhändlern aussortierte Erdäpfel (zu klein, zu krumm) als Wunderlinge verkaufen. Ah ja, für die aussortierten Erdäpfel bekommen die Bauern nichts.
Genau: 0 (in Worten: null) Euro.


Und es kommt noch besser. Seit einigen Wochen wird gross gejammert, es gäbe in Österreich keine heimischen Erdäpfel mehr. Man müsse importieren – woher auch immer. Nun denn – Ing. Herbert Bartosch ist Biolandwirt im nordöstlichen Weinviertel. Er hat noch tonnenweise Bio-Erdäpfel im Lager. Nur – die wollen die Großhändler nicht. „Nicht schön genug“ und andere Ausreden sind da zu hören. Da holt man die eben aus dem fernen Ausland herbei.“ so Ing. Herbert Bartosch.

Weiter meint er: „Die Großhändler des LEH kaufen offenbar lieber günstige Erdäpfel, die in der Wüste nur durch künstliche Beregnung wachsen. Interessanterweise sind diese für den Lebensmittelhandel weit billiger zu haben als jene, die wir hier selbst „produzieren“ können. Zu behaupten, es gäbe keine Erdäpfel in Östereich oder Europa ist ein willkommener Anlass Erdäpfel im EU-Ausland weit günstiger als in Europa zu erwerben, aber zum bisher gleichen oder höheren Preis im Supermarkt zu verkaufen. Und der Lebensmittelhandel freut sich darüber, dass Argumente wie „es gibt keine Erdäpfel mehr in Österreich oder Mitteleuropa“ schon durch andere, nämlich diverse Medien, nach aussen getragen wurden. Somit braucht er sich nicht mehr zu rechtfertigen, dass er nordafrikanische Erdäpfel anbietet.“ Und dann fügt er hinzu: „Bevor ich es vergesse: meine Erdäpfel haben kein Drahtwurmproblem. Die sind in Ordnung.“

Eine Berufskollegin von mir baut Spargel an. Sie liefert ihn auch an Supermärkte bei ihr in der Nähe. Sie kann diese Supermärkte täglich frisch beliefern. Aber – die Filialleitung kann nicht bestimmten, welcher Spargel im Geschäft angeboten wird.
Und so kam es, dass neben ihrem tollen Spargel (weniger als 4 km vom Supermarkt entfernt geerntet) Spargel von weiss Gott wo her angeboten wurde. Natürlich auch günstiger als ihr Spargel.
Einige Tage nach ihrer Lieferung bekam sie einen Anruf vom Supermarkt. Sie könne sich ihren Spargel wieder holen, er würde sich nicht verkaufen.

Ja – geht’s noch?

Man kann mit etwas nicht zufrieden sein.
Man kann sich darüber ärgern.
Man kann es die ganze Welt via Facebook wissen lassen.
Man kann es aber auch ändern.
Vor allem dann, wenn man „am Hebel der Macht“ sitzt.

Wie heisst es so schön?
„Love it, change it oder leave it.“

Ja, Herr Schmuckenschlager, wenn es Ihnen nicht gefällt, dann ändern Sie es.
Und wenn Sie es nicht ändern können – mit all der Macht, und all den Möglichkeiten, die Sie als Politiker haben – dann lassen Sie es bleiben.
Verlassen Sie es.
Verlassen Sie das Parlament.

Nicht die Bauern können über den Preis für ihre Produkte bestimmen. Nein. „Natürlich nicht“, höre ich da. „In einer freien Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.“ Ja, ja, das ist mir schon klar. Nur – wenn es nur 3-5 Nachfrager gibt, kann man sich leicht ausrechnen, wer bestimmt.

Also: sprechen Sie es aus.
Machen Sie schon.
Oder trauen Sie sich nicht?
Nicht die Bauern bestimmen.
Nicht die Politiker (=Gesetzgeber) bestimmen.

Die Einkäufer der Supermarktketten bestimmen.
Die bestimmen was, wann und zu welchem Preis in den Supermärkten erhältlich ist.
Sie bestimmen, wieviel die Großhändler für die landwirtschaftlichen Produkte bekommen.
Und daraus resultiert dann der Betrag, den die Landwirte bekommen.
Und das läuft schon sehr lange so.

Diese 3-5 Einkäufer sind ganz offenbar mächtiger als Sie, Herr Schmuckenschlager.

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19

Vermummt zur Ortsbauernratswahl.
Extrem geheim – geheime Extreme.

Die Ortsbauernratswahl ist eine geheime Wahl.
So wie andere Wahlen auch.
Und manche nehmen es mit dem Geheimnis ganz genau.
So vor kurzem in Hohenau.
Einer Gemeinde am Rande von Österreich.

Es ist Dienstag.
Dienstag, der 5. Februar 2019.
Ein kalter Tag.
Der Wind lässt es uns die Luft noch kälter empfinden.
Und da ist es schon verständlich, wenn man sich ordentlich einpackt und schützt.
Mit Mütze und Schal.
Ja, das ist verständlich.
Also dann, wenn man draussen ist.
Draussen in der Welt. Im Freien.


Und so geschieht es, dass an diesem Tag, dem Tag der Ortsbauernratswahl in Hohenau, eine Person zum Wahllokal eilt.
Diese Person ist erkennbar, also nicht grossartig gegen Kälte und Wind geschützt.
Und man denkt sich nicht viel.
In diesem Moment noch nicht.
Aber dann, kurz bevor diese Person in den Bereich des Wahllokales (im Inneren des Atrium) tritt, wird von ihr/ihm eine Mütze aufgesetzt und ein Schal um den Kopf gewickelt.
Und so ist diese Person nun nurnoch sehr schwer, wenn überhaupt erkennbar.
Alleine die Statur lässt hinter dieser Erscheinung eine männliche Person vermuten.

Die Person betritt den Raum, in dem die Wahlkommission und einige andere Personen (Wahlberechtigte) anwesend sind.
Er/Sie geht schnurstraks zur Wahlurne, legt einen Ordner auf den Tisch, nimmt das Wahlkuvert heraus und wirft es in die Urne.
Dann verlässt die Person den Raum und das Atrium.
Schweigend.
Ja, schweigend.
Kein Gruß nach links, kein Gruß nach rechts.
Nichts.
Schweigend.
Vermummt.
Offenbar in geheimer Mission.

Bevor ich es vergesse: bei dieser Wahl wurde der Wahlvorschlag vorher an alle Wahlberechtigten an deren Wohnadresse zugestellt, um auch Wahlberechtigten, die am Wahltag keine Zeit haben, die Teilnahme an der Wahl zu ermöglichen.
Und der Wahlvorschlag wurde fast einstimmig angenommen.
Nur eine der abgegebenen gültigen Stimmen war gegen den Wahlvorschlag.
Ob die wohl von dieser geheimnisumwobenen Person stammt?
Die Gegenstimme?
Wir werden es nie erfahren.

Das war eine weitere Berichterstattung.
Aus Hohenau.
Einer Gemeinde am Rande von Österreich.


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8

Die NÖN und das Kreuzerl.


Oder: Bürgermeisterwahl in Hohenau – die Berichterstattung.

Sie war spannend und doch wieder nicht.
Spannender war für mich wieder einmal die Berichterstattung der Regionalmedien. So haben sich schon manche Redakteure „ausgezeichnet“, als sie über den Mißtrauensantrag gegen den ehemaligen Bürgermeister Robert Freitag berichtet haben. „Ausgezeichnet“ in dem Sinne, als manchen Redakteuren offenbar die Gemeindeordnung nicht einmal in Grundzügen bekannt war und ist, obwohl sie sehr oft über Ereignisse im Bereich der Kommunalpolitik berichten. Auch fehlerhafte Bezeichnungen sind leider sehr häufig.

Ich fange einmal mit ganz einfachen Dingen an. Hohenau an der March ist kein Ort. Hohenau an der March ist eine Gemeinde. Somit gibt es keine „Orts-Chefs“ und auch keine „Orts-Partei“. Es gibt Bürgermeister, Vizebürgermeister, Gemeinderäte, Mitglieder des Vorstandes, Gemeindeparteien, Gemeindeparteiobmänner, u.s.w. Aber es gibt hier nichts mit „Ort-„.

Jetzt lese ich in der Onlineausgabe der NÖN (Internet, 29.1.2019, 00:30 Uhr) „Wolfgang Gaida jetzt SP-Ortschef“. Nicht böse sein, aber er ist weder SP-Ortschef, noch SP-Gemeindechef, er ist Bürgermeister. Und zwar einer der Fraktion der SPÖ. Und – in der Headline wäre noch Platz für ein Verb gewesen. Aber das nur so nebenbei.

Und wieder lese ich das Wort „Ortschef“ im ersten Absatz. Und dann noch „Der bisherige SP-Vize“. So etwas gibt es auch nicht. Er war bisher Vizebürgermeister. Und zwar einer, der der Fraktion der SPÖ angehörte.

Aber es geht ja noch weiter. „Nicole Prohaska, die schon bei der Gemeinderatswahl 2015 auf der Kandidatenliste gestanden war, rückte nach und sitzt ab sofort im Ortsparlament“. Es ist immer wieder schön, und ich weiss, man lernt es in der Schule: keine Wortwiederholungen. Aber hätte jemand die Bücher von Wolf Schneider gelesen, das sind Lehrbücher für angehende großartige Journalisten, oder sogar die Hamburger Henri-Nannen-Schule besucht, würde niemand „Ortsparlament“ schreiben. Sondern Gemeinderat. So heisst das höchste Gremium in einer Gemeinde nämlich. Gemeinderat.



Und übrigens: Nicole Prohaska hat nicht einfach so nebenbei auf der Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl 2015 gestanden, deren korrekte Bezeichnung „Wahlvorschlag“ ist. Dass sie auf dieser sogenannten Liste gestanden hat, macht es erst möglich, dass sie ein Gemeinderatsmandat innehaben kann, sprich Gemeinderätin werden kann. Durch das Ausscheiden von Robert Freitag aus dem Gemeinderat musste sein Mandat neu besetzt werden und Nicole Prohaska ist – aufgrund ihres „Listenplatzes“ nachgerückt.

Es nimmt ja kein Ende. Wieder ist dann von einem SP-Vizebürgermeister die Rede. Von mir aus. Man könnte es durchaus schöner und korrekter ausdrücken. Aber was dem ganzen die Krone aufsetzt: „… für Bartosch gab es abermals nur fünf Kreuzerl“. Acht Wörter und drei Fehler. Das muss man erst einmal schaffen.
Erstens sollte man schon auch den Vornamen nennen, denn es sitzen zwei Gemeinderäte mit dem Nachnamen Bartosch im Gemeinderat.
Zweitens gehört zu einer objektiven Berichterstattung, dass man ohne Bewertung berichtet. „…gab es abermals nur fünf Kreuzerl“ ist nicht objektiv. Ausserdem ist nicht klar, was genau an diesen „fünf Kreuzerl“ schlecht sein soll. Denn: hätte man hier im Vorfeld recherchiert, dann wüßte man, dass die vorhergehenden Bürgermeister meist einstimmig, also ohne 5 Stimmen für GGR Ing. Herbert Bartosch, gewählt worden sind. Sprich: das sind nicht „nur“ 5 Kreuzerl, sondern, wenn man schon von „Kreuzerl“ spricht und wertet, „gute“ 5 Kreuzerl.
Und drittens: es gab keine Kreuzerl. Es wurde nämlich so gewählt, wie es gesetzlich in der NÖ Gemeindeordnung 1973 in der aktuellen Fassung vorgesehen und vorgeschrieben ist. Nämlich mit leeren Stimmzetteln. Da konnte niemand ein Kreuzerl machen, sondern nur einen Namen darauf schreiben. Und zwar den Namen der Person, der die einzelnen Gemeinderäte ihre Stimme gaben.



Hätten die Gemeinderäte bei dieser Wahl ein Kreuzerl gemacht, wäre ein Kreuzerl gewählt worden.
Ja, ein Kreuzerl wäre jetzt Bürgermeister.

Medien sollen objektiv berichten. Auch haben Sie einen Informations- und Bildungsauftrag. Diesen sollten sie auch als Regionalmedium wahrnehmen, und korrekte Bezeichnungen verwenden. Auch sollten sie nur dann über etwas berichten, wenn sie auch darüber ausreichend Bescheid wissen.

Unsere Sprache verroht. Besonders viele junge Menschen gehen nicht sorgsam damit um, woraus ein „flapsiger“ Umgang mit unserer Sprache resultiert und diese im Laufe der Jahre verkümmert. Nun ist Sprache aber wichtig. Sehr wichtig. Sie gehört zu unserer Kultur. Sie ist Kultur. Und es ist Aufgabe von Menschen, die für andere schreiben, sei es als Autor oder Journalist, diese Sprache zu bewahren, mit ihr sorgsam und präzise umzugehen. Der Gemeinderat ist das höchste Organ einer Gemeinde. Diesem steht der Bürgermeister vor. Und: Bürgermeister ist ein Amt. Ein flapsiger Sprachgebrauch in diesem Zusammenhang ist nicht nur unangebracht, sondern auch diesem Gremium und dessen Mitgliedern nicht würdig.

Bevor ich es vergesse: Wolfgang Gaida (SP) ist mit 13 von 18 Stimmen zum Bürgermeister gewählt worden. Ing. Herbert Bartosch (VP) erhielt 5 Stimmen. Dieter Koch (SP) ist mit 13 von 18 Stimmen zum Vizebürgermeister gewählt worden. Auch in diesem Wahlgang entfielen 5 Stimmen auf Ing. Herbert Bartosch (VP).

Zur Information: der Gemeinderat in Hohenau an der March besteht aus 21 Gemeinderäten – 15 der SPÖ, 5 der ÖVP und ein freier Mandatar (ursprünglich von der FPÖ nominiert).

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25

Nicht sprechen. Lesen.

Man spricht miteinander.
Man unterhält sich.
Über dies und das.
Verschiedenes.
So wie man das eben macht.

Auch GGR Ing. Herbert Bartosch.
Er spricht mit Bürgermeister Robert Freitag.
Man spricht miteinander.

Und so geschah es, dass Herbert in einem Gespräch so nebenbei fragte:
„Sag, wann ist die Eröffnung der Ordination?“
Er hat einfach nur gefragt. Im Gespräch.
Und das war die Antwort des Bürgermeisters:

„Steht in der Gemeindezeitung.“

Ja bitte – geht’s noch?
Alles in Ordnung?
Wo ist denn da die Gesprächskultur?
Haben wir überhaupt eine Kultur?
Darf man nicht nach einem Termin fragen?
Einfach so?

Diese überhebliche und herablassende Art des Bürgermeisters ist kein Novum.
Seit längerer Zeit schon gibt es von Seiten des Bürgermeisters Antworten in derlei Ton.
Und auch verbale Attacken.
Nicht nur gegenüber GGR Ing. Herbert Bartosch.
Es fällt auf.

Bereits in der Sitzung des Gemeindesrates am 12. Dezember 2017 ist dies aufgefallen. Und es hat im Laufe des Jahres 2018 keine Besserung seitens des Bürgermeisters gegeben. Und diese Art der Kommunikation setzt er auch im Jahr 2019 fort.

So am 2. Jänner 2019: bei der Eröffnung der Ordination von Dr. Shahram Adel.

GGR Ing. Herbert Bartosch „erdreiste“ sich bei der Eröffnung der Ordination mit Barbara, einer der Arztassistentinnen unter anderem über die Abläufe in der Ordination, die Arbeitszeit und die freien Tage zu sprechen. Herbert hat gefragt, weil es ihn interessiert.
Er interessiert sich für andere Menschen. Er interessiert sich dafür, wie andere Menschen ihr Leben gestalten, womit sie sich gerne beschäftigen, was ihnen wichtig ist, was sie erfüllt und vieles mehr. Das machen Menschen, die sich engagieren, sozial oder politisch. Sie interessieren sich für andere.

Das ist ein Zeichen von Wertschätzung.
Wertschätzung drückt sich unter anderem in Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit aus.
Sprich: mit diesem Gespräch drückte Herbert seine Wertschätzung aus.
Wertschätzung gegenüber dem Arzt, seiner Familie und seinen Assistentinnen.
Wertschätzung gegenüber jenen, die sich der kranken Menschen annehmen.

Offenbar hat der Bürgermeister dieses Gespräch mitangehört, und es scheint ihm nicht gepaßt zu haben.
Denn er sagt – zu Herbert gewandt – „Steht eh in der Zeitung drin. Hast sie nicht gelesen?“

Ja geht’s noch?

Wie sagt meine Mama so schön?
Einmal ist es vorbei, sagt sie. Ja. Und jetzt ist es wirklich vorbei. Es reicht.
Man kann sich ja wohl ganz normal mit anderen Menschen unterhalten. Oder passt das dem Bürgermeister jetzt auch nicht? Schreibt er jetzt auch schon vor, wer sich mit wem wo, wann und worüber unterhalten darf? Die „Nummer Eins“?

Übrigens: auch in der letzten Sitzung des Gemeinderates hat es einen Vorfall dieser Art gegeben.
Es ist sogar soweit eskaliert, dass „eingeschritten“ werden mußte. Ja genau. Eingeschritten.

Aber dazu in einem anderen Blog. Demnächst.

Weitere Blogs zu ähnlichen Themen:
Hohenau ohne Freitag.
Das karierte Hemd.
Der Herbert war’s (nicht).
Will Bürgermeister keine Windräder?
Keine Antwort.

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15

Wir sind wir.

Da sitzt man letzten Dienstag im Atrium.
In Hohenau.
Am Abend gegen 6.
Und denkt sich nicht viel.
Es sind kaum Gäste zu sehen.

Oh – dort, im Extrazimmer, offenbar eine geschlossene Gesellschaft.
Laufend kommen neue Menschen hinzu, zu dieser Gesellschaft.
Gehen an den anderen Gästen des Atriums vorbei.

Schweigend.
Grußlos.
Na dann halt nicht.

Obwohl – irgendwie denkt man sich schon – was sind das für Leute?
Denn: es sind die Mitglieder des Vorstandes der SPÖ Ortsfraktion Hohenau.
Und ein Teil der Gemeinderäte der SPÖ Hohenau.
Da hätte man sich mehr erwartet.
Also zumindest einen Gruß.

Einer von ihnen, der sonst immer grüßt, war nicht dabei:
Der Bürgermeister.
Er gehört dem Vorstand nicht mehr an.

Sie haben ihn nicht mehr in den Vorstand gewählt.
Die, die nicht grüßen können.

Ah ja: der „zukünftige“ Bürgermeister hat gegrüßt.
Er übt schon für später.
Allerdings: nix is fix.
Aber dazu in einem anderen Blog.

Weitere Blogs zu ähnlichen Themen:

Die andere Tanzschule.
Freiheit für Jenny.
Gott zum Gruße.

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