Märchen Nummer 1 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Wir sehen weites Land.
Unser Land.
Das Land unserer Bauern.
Land, auf dem das wächst, was wir brauchen.
Bestellt, behütet und beerntet.
Da steht er, der Bauer.
Ein Mensch, der nichts anderes möchte,
als das bewahren, was uns ernährt.
Wissend um die Natur. Wissend um alles,
was das bedroht, was uns ernährt.

Er lebt in und mit der Natur und trotzt ihren Gewalten, wenn es darum geht, das zu tun, was getan werden muss. Weil es die Natur verlangt. Und er tut es gern. Und ehrlich.

Und jetzt?
Jetzt kommt Sarah.
Sarah erzählt ihm, dass er es nicht richtig macht.
Also falsch macht er es.
Ganz falsch.
Und Geld bekommt er. Agrarsubventionen, also Förderungen.
Und die soll er gar nicht bekommen.
Sagt Sarah.

Das Märchen von den Agrarsubventionen.
Sarah erzählt uns etwas über Landwirtschaft. Sie erzählt von Agrarsubventionen, die jeder bekommen kann. In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagt sie: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“
Gut, dass Sarah Wiener dagegen ist. Ich bin nämlich auch dagegen. Weil es so etwas nicht gibt. Das, was Sarah Wiener in diesem Interview gesagt hat, gibt es nicht.

Die Wahrheit über die Agrarsubventionen.
Wenn man kein Landwirt ist, bekommt man auch keine Agrarsubventionen. Um Agrarsubventionen, von unseren Bauern schlicht „Förderungen“ genannt, zu erhalten, muss man einen Antrag stellen, den sogenannten Mehrfachantrag. Dafür ist eine landwirtschaftliche Betriebsnummer erforderlich. Diese bekommt man nicht einfach so. Und es ist auch nicht egal, was man mit dem Land macht. Man muss darauf landwirtschaftliche Produkte erzeugen. Anbauen, kultivieren, ernten. Und noch vieles mehr müssen Landwirte tun, um überhaupt eine Chance auf irgendeine Förderung, sei es nur die von Sarah Wiener gerne genannte „Flächenprämie“, zu haben.
Sarah kann also gern dagegen sein, weil es das, was sie in einem Interview mit Ö1 von sich gibt, nicht gibt. Und sie kann sich hier auch nicht geirrt haben. Denn in Deutschland gelten die gleichen Regeln wie bei uns. Es handelt sich ja um Förderungen der EU.

Ich habe in Deutschland nachgefragt, und zwar in Bayern. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt unter anderem: „So gewährt z.B. die erste Säule Landwirten je Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche eine von Art und Umfang der Produktion unabhängige Direktzahlung. Um die Direktzahlungen zu erhalten, müssen allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind in Deutschland bzw. Bayern, wie in Österreich auch, u. a. eine Betriebsnummer und der Mehrfachantrag. Zudem müssen die Landwirte eine Reihe von Auflagen beim Umweltschutz aber auch bei der Lebensmittelsicherheit und beim Tierschutz einhalten. […] Die zitierte Aussage von Frau Sarah Wiener „Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist“ ist auch für deutsche bzw. bayerische Landwirte schlichtweg falsch.“

Da behauptet Sarah Wiener in einem Interview etwas, was hinten und vorne nicht stimmt, und niemand sagt etwas dazu. Kein Korrektiv.

Nicht von der Landwirtschaftsministerin, Elisabeth Köstinger, nicht vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, und nicht vom Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser. Wenigstens der – als Präsident einer Teilorganisation der ÖVP – hätte doch etwas sagen können, um diese Behauptungen, mit denen gegen Bauern gehetzt wird, richtig zu stellen. Nein.


Und die Medien? Was machen die? Die teilen das den Lesern 1:1 mit. Nicht nachgeprüft. Nicht kritisch hinterfragt. Einfach so. Abgeschrieben. Die APA schickt es aus, die deutsche Presseagentur ebenfalls, und diverse Tageszeitungen drucken diese falschen Behauptungen unkommentiert ab.

Eine Schande für die freie Presse und eine Schande für die Vertreter der Landwirte.
Da stellt sich schon die Frage, ob Journalisten nur noch „abschreiben“ oder auch noch selbst recherchieren können. Und – was noch schlimmer ist – ob Landwirte in Österreich noch eine Vertretung und Lobby haben. Aber – zurück zu Sarah Wiener. Wenn sie dagegen ist, dass jemand Agrarsubventionen erhält, der kein Landwirt ist, hätte sie ja für Gut Kerkow auf 316.867 Euro (im Jahr 2017, 320.100 Euro im Jahr 2016) verzichten können. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen. Die Förderungen kommen ja nicht automatisch. Da muss man schon etwas dafür tun.

Und sie hätte sie ja auch nicht nötig. Denn anders als die richtigen Landwirte, braucht Sarah Wiener keine Bank, bei der sie alle paar Monate untertänigst vorstellig werden muss. Sie braucht auch nicht zittern, dass sie den Kredit nicht zurückzahlen kann, weil die Ernte katastrophal schlecht ist, weil es nicht regnet oder der Derbrüsselkäfer die Zuckerrüben eliminiert hat.

Das braucht sie alles nicht. Warum? Das erfahren Sie in meinem nächsten Blog.

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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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4 Gedanken zu „Märchen Nummer 1 der Sarah Wiener.“

  1. Genauso läuft das heutzutage. Und Vetretung haben wir Bauern leider auch keine,- es ist einfach eine Riesensauerei wie die kleinbäuerliche Landwirtschaft abgeschafft wird. Schön langsam werden alle verrückt (gemacht). Und irgendwann wird sich die Menschheit wohl künstlich ernähren müssen. Die vielgespriesene Wirtschaft wirds schon machen. Aber ich denke, das werde ich wohl nicht mehr erleben müssen.

  2. Ich schließe nicht aus, dass sich der österreichische Bauernverband geäußert hat. Er wird das gleiche Problem haben, wie der deutsche. Nämlich. dass er zig Pressemeldungen rausgibt und diese alle entweder ignoriert oder mit höhnischem Unterton nur in aus dem Zusammenhang gerissenen Teilen zitiert werden. Man kann die Medien nicht zwingen, die Positionen und rechtfertigungen des Bauernverbands zu veröffentlichen.

    1. Hallo Herr Böhrer: leider, ich habe keine Reaktion des Bauernbundes (ÖVP) oder der Landwirtschaftskammer gefunden. Weder allgemein in den Medien, noch im Internet (Twitter, Facebook) noch in deren Presseaussendungen, die ich auf ots.at verfolge. Das macht mich sehr traurig.

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