Gott zum Gruße.

Aquarell von Birgit Medlitsch, 2002

Ja, wie ist das so im nordöstlichen Österreich?
Dort, wo ich wohne.
Wird man da gegrüßt?

Schön wär’s.
Soweit ich mich jetzt erinnern kann, grüßt der Jüngere den Älteren, der Herr die Dame, u.s.w. Aber hier und heute? Ich habe mir angewöhnt jeden zu grüßen. Nur – da kommt meist nichts zurück.

Als ich noch ein Kind war, bin ich an einem Nachmittag mit dem Rad unsere Strasse entlang gefahren. Gefühlte 20x hin und zurück. An einem Haus wurde gerade gebaut. Jedes Mal, wenn ich vorbeigefahren bin, habe ich laut „Grüß Gott“ gerufen.

Irgendwann ist dann die Hausfrau zu mir gekommen und hat gemeint, ich müsse nicht jedes Mal grüssen.
Daran erinnere ich mich heute noch sehr gerne.


Aber heute? Kinder grüßen ganz selten, vielleicht 1 von 50. Und – wenn ich sie darauf aufmerksam mache, dann grüßt eines von 10 zurück. Die anderen schauen mich nur fassungslos an.

Und dann die Grußformel. Da hört man meist ein mürrisches „Dag“, manchmal ein „Moagn“, gefolgt von „Servas“. Wenn man einmal „Grüß Gott“ oder „Grüß Dich“ hört, darf man sich freuen. Und so sage ich es auch: „Grüß Gott“ oder „Grias di“.

Wenn bei uns jemand an der Tür ist oder anruft, höre ich meist nur „Is da Moon do?“ oder „Is da Herbert net do?“ oder „Is da Chef do?“ Ein Gruß bleibt zumeist aus.


Aber gestern, gestern war mein Tag.
Gestern hat mich ein Geschäftspartner angerufen, besser gesagt ein Mitarbeiter eines Geschäftspartners, und er hat sich so gemeldet: „Gott zum Gruße“.

Das war so schön.
So beruhigend.
So freundlich.
So friedlich.

Lasst das einmal auf Euch wirken:
„Gott zum Gruße“.

Das fließt so dahin.
Und es hat ganz viel Wärme in sich.
Und man fühlt sich getragen und geborgen.

Ein Gespräch, das so beginnt, ist ein schönes Gespräch.

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