Leben als Frau in Hohenau.

Ja, ich war lange weg.
Und dann bin ich zurückgekommen.
In meine Heimatgemeinde.

In die Gemeinde, in der schon meine Vorfahren zuhause waren.
Viele Generationen zurück.
Ich gehöre sozusagen zu den Nachfahren der Ureinwohner von Hohenau.

Weil ich so lange weg war, habe ich gar nicht mehr gewußt,
wie es hier ist. Speziell für eine Frau.

In meiner Kindheit waren die Frauen in Hohenau zumeist im Haushalt tätig.
Die Männer brachten das Geld nach Hause.
Aus der OMV, von den ÖBB oder aus der Zuckerfabrik.
Im Allgemeinen war das so. Hohenau war dreigeteilt.
Und – es „regierten“ die Gewerkschaften.
Ja, die Betriebsräte bestimmten.
Nicht nur innerhalb der 3 größten Arbeitgeber, auch privat.
Man mußte sich gutstellen mit ihnen, nur nicht aufmucken.
Man könnte ja eine Arbeitsstelle für das Söhnchen brauchen, irgendwann.
Von den Töchtern wurde damals kaum gesprochen.

Ehefrauen wurde oft gesagt „Sei froh, dass Du nicht arbeiten gehen musst.“
Ja, das waren schon tolle Kerle, damals, als Männer noch Männer waren.
Damals, als viele Frauen zu kuschen hatten.
Froh sein mußten, dass der Mann Arbeit hatte und das Geld nach Hause brachte.
Da hat man als Frau schon manches über sich ergehen lassen.

Und heute?
Wie ist das heute in Hohenau?
Viele Frauen gehen jetzt einer Arbeit nach.
Sie haben sich emanzipiert.
Aber sonst – hat sich etwas geändert?


Sprechen Männer miteinander, dann ist es eher nicht üblich, dass eine Frau mitredet.
Meist wird man als Frau ignoriert und die Herren lassen einen gar nicht mitreden.

Und dann – dann gibt es noch diese Handbewegung.
Kennt ihr die typische Handbewegung mancher Männer, wenn man sie durchschaut hat? Oder wenn man etwas besser weiss? Wenn man etwas Konstruktives zum Gespräch beitragen will? Oder wenn man sie auf einen Fehler hinweist? Diese herablassende Handbewegung, die sagt „geh, Du klan’s Hascherl, was willst mir Du erzählen.“

Dagegen ist Mansplaining noch nett.

Da sagt vor einigen Monaten jemand zu mir „Geh‘ red‘ doch nicht so blöd daher.“
Geht’s noch? Was ist denn das für eine Ausdrucksweise? Respektloser geht’s ja gar nicht mehr.
Eigentlich hätt ich dem eine Watschen geben sollen.
Ja, so richtig eine reinhauen.
Ich war ja ein braves Kind. Ich hätt viel mehr Schläge austeilen sollen. Vielleicht hätte es sich heute bezahlt gemacht.

Aber zurück zu dieser unmöglichen Person.
Da kommt ein Mann mit meiner Kompetenz nicht zurecht und äußert sich so?
Da sag ich nur geh‘ in Therapie und lerne damit umzugehen, dass eine Frau (!!!) etwas weiss, vielleicht besser weiss als Du. Menschen, die aus der Minderwertigkeit kommen, können nur eines: andere klein machen. Offenbar brauchen sie das, um zu „überleben“. Nun – wie geht man damit um? Man sagt es. Ganz einfach: „Offenbar kannst Du nicht anders, als andere klein zu machen, da Du Dich offenbar sehr minderwertig fühlst. Es ist traurig, dass Du Dich auf diese Weise grösser machen musst, als Du bist.“

Aber es kommt noch schlimmer.

Ich würd gern so viel schreiben.
Es gibt so viele Dinge, die nicht in Ordnung sind.
Das fängt schon bei manchen Organen der Gemeinde an.

Aber – schreibe ich etwas, und zwar die Wahrheit, schade ich meinem Mann.
Wie das geht?


Weil die Menschen, über die ich schreibe, sich dann bei ihm abreagieren.
Weil sie sich an ihm rächen.
Weil sie nicht den Mut haben, mir entgegenzutreten, mit mir zu diskutieren.
Weil sie (meist Männer) offenbar große Angst vor mir (einer Frau!) haben.
Weil sie ihre Fehler nicht einsehen.
Weil sie nicht über ihr Handeln und ihre Aussagen reflektieren können.
Weil sie sich nicht entschuldigen können.
Nein.
Sie können nur hinhauen.
Wie ein wild gewordenes Kind.
Und sie schlagen nicht mich, sondern Herbert.
Das ist klein und feige.
Ja, diese Menschen sind klein.

Aber – ich bin eine mutige und starke Frau.
Und Herbert ist ein sehr, sehr starker Mann.
Einer, der vielen überlegen ist, an Wissen und Können, und – vor allem – mental.
Er hat hohe moralische Werte, so wie ich auch.
Und die Leute, die über mich sagen „Die legt sich mit allen an.“, die sollten einmal ihr Gehirn einschalten.
Denn ich halte es mit Hans Söllner, der singt „Steh auf, wenn Dir irgendwas nicht passt.“
Das nennt man Zivilcourage. Das ist etwas Gutes.
Das ist etwas, was den meisten Menschen fehlt.
Es ist nämlich wichtig, dass wir unsere Komfortzone verlassen und etwas tun, wenn uns irgendwas nicht passt.
„Zivilcourage ist der Mut, für seine Meinung auch Nachteile in Kauf zu nehmen“ so liest man im PONS Duden.
Und ich bin so froh und so stolz auf mich – und auf das, was mir meine Eltern mitgegeben haben. Ja, stolz!

Irgendwo herumsitzen, sich aufregen, über andere Menschen urteilen, ohne sie oder ihre Beweggründe zu kennen, über andere Menschen schlecht reden, ja, das können viele.

Aber hingehen und sagen – he – warum machst Du das so? Oder warum hast Du das gesagt? Und dann jemandem ins Gesicht zu sagen – das war nicht in Ordnung von Dir. Das schafft hier kaum jemand.


Ich stehe auf. Und ich sage es, wenn mir irgendwas nicht passt.
Und das ist gut so.

Und so möchte ich wirklich allen – vor allem Frauen – eines mitgeben – lasst Euch nicht klein machen.
Steht auf. Sagt, was Euch nicht passt.

Wahrscheinlich müßt ihr Euren eigenen Männern nichts sagen, weil die sowieso korrekt und liebevoll mit Euch umgehen.

Aber – den anderen.
Lasst Euch nicht aufhalten.
Lasst Euch nicht klein machen.
Und vor allem lasst Euch nicht unterbrechen.
Wenn ich rede, dann rede ich, und die anderen haben Pause.
Und wenn Euch jemand klein macht, dann sagt laut und deutlich: „So nicht. Und mit mir schon gar nicht. Entschuldigen Sie sich. Sofort.“

Und das wichtigste am Schluß: ich lasse mich nicht von „wild gewordenen Kindern“ aufhalten.

Weitere Blogs zu ähnlichen Themen:
Die böse Birgit.
Das ist traurig.
Der Müll, der Nöli und wir.
Die weiss alles besser.
Das Ende.
Liebe. Frieden und Michaela.
Das ist kein Fest.

Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

6

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere