Die andere Tanzschule.

September 2009.

Ich bin frisch verliebt.
Er ist ein toller Tänzer.
Ich habe noch nie getanzt.

Auf geht’s – in die Tanzschule.
Also – ich allein – er kommt natürlich nicht mit, weil – er kann es ja schon.

Dann nehme ich eben Privatstunden. Alles kein Problem, denke ich. Weit gefehlt.
Denn es ist gar nicht so einfach eine Tanzschule zu finden, die einzelne Personen in Form von Privatstunden unterrichtet. Nein, höre ich da von 6 verschiedenen, teils namhaften Schulen, nur wenn Sie mit einem Partner kommen.

Sehr nett, denke ich. Und wie soll ich das jetzt anstellen?
Ich will doch nur tanzen lernen. Das kann ja nicht so schwer sein.



Aber ich gebe nicht auf.
Mein nächstes Telephonat führe ich mit Ismet Özdek.
Ihm gehört die Tanzschule Isi-Dance in Bruck/Leitha.
Ich frage nach Privatstunden und ob ich diese auch alleine bei ihm besuchen kann, also ohne Partner.
Sein leichter Akzent und sein Name lassen mich vermuten, dass er nicht immer in Österreich gelebt hat.

Ich werde mich immer an dieses Telephongespräch erinnern. Mit Ismet Özdek zu sprechen ist so, als würde man mit einem guten Freund sprechen. Und er sagt: „Kein Problem. Wann haben Sie Zeit?“

Was? Kein Problem? Einfach so? So einfach?
Die anderen 6 Tanzschulen haben eine „Staatsaffaire“ aus meinem Anliegen gemacht.
Und er sagt „Kein Problem?“
Ich war überrascht.
In den nächsten Jahren werde ich noch einige Male von ihm überrascht sein.

Isi ist anders.
So wie seine Tanzschule.
Und das ist gut so.

Tanzschule Isi-Dance
Alter Hainburgerweg 2A, 2460 Bruck an der Leitha
www.isi-dance.at

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1. April 2009.
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Kein gutes Benehmen.

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Märchen Nummer 5 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Eine prominente Köchin bezeichnet sich selbst als theoretische Landwirtin, Chef-Ideologin und Visionärin.
Für einige ist sie allerdings nur eine Meisterin der Selbstdarstellung. Eine, die oft über sich selbst, ihre Ansichten und „Werke“ spricht. Eine, die gerne Geschichten erzählt, mitunter sehr frech ist und auch laut werden kann.

Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau.

Und da sind sie wieder: Menschen, die Sarah Wiener als erfolgreiche Geschäftsfrau bezeichnen. Warum tun die das? Woher nehmen sie die Gewissheit, dass Sarah Wiener geschäftlich erfolgreich ist? Nur weil sie dieses oder jenes Unternehmen ihr eigen nennt, prominent ist und von einer Fernseh-Sendung zur nächsten eilt, laufend in Talkshows zugegen ist, ist sie noch lange keine erfolgreiche Geschäftsfrau. Oder hat das jemand anhand von Bilanzdaten überprüft?

Sarah Wiener betreibt einige Unternehmen. Diese habe ich schon in meinem Blog Märchen Nummer 2 ausführlich dargestellt und darf nun zwei davon einer eingehenderen Betrachtung unterziehen.

Firmengeflecht-gross-mit-GF

Verluste im „Ab-Hof-Verkauf“.

Sehen wir uns zum Beispiel den „Ab-Hof-Verkauf“ von Gut Kerkow an, also den erweiterten (es werden auch Produkte zugekauft), der unter „Gut Kerkow Bauernmarkt GmbH“ firmiert. So wie ich es verstanden habe, dient dieses Unternehmen hauptsächlich dem Verkauf des Fleisches der Rinder von Gut Kerkow. Darüber hinaus werden auch Lebensmittel zugekauft und die Sarah Wiener Kollektion angeboten. Im Jahr 2017 hat dieses Unternehmen einen Verlust von 237.997 Euro* erwirtschaftet. Auch findet man in der Bilanz für das Jahr 2017 einen Verlustvortrag vom Jahr 2016 in der Höhe von 614.078 Euro*. Also ich habe selbst einen Ab-Hof-Verkauf, und damit habe ich noch keinen Cent Verlust gemacht. Wie macht man das? Was läuft dort falsch?

Auch Brot backen lohnt sich scheinbar nicht.

Ein weiteres Unternehmen ist die „Das ist Brot GmbH“ (früher: „Sarah Wiener Holzofenbäckerei GmbH“): da sehe ich im Jahr 2017 einen Verlust von 163.669 Euro*. Im Jahr 2016 ein Verlust von 53.076 Euro*, 2013 ein Verlust von 165.123 Euro* und 2012 ein Verlust von 173.244 Euro*. Lediglich in den Jahren 2014 und 2015 wurden schwarze Zahlen geschrieben (81.609* bzw. 6.177 Euro*).

Wenn ich mir das so ansehe, hätte ich spätestens im Jahr 2016 das Unternehmen „dicht“ gemacht. Also ich sehe die erfolgreiche Geschäftsfrau nicht. Aber vielleicht bedeutet Erfolg heutzutage nicht „schwarze Zahlen schreiben“, sondern sich irgendwie durchzuschlagen – mit Unterstützung von Banken oder Investoren. (*Quellen: northdata.de, unternehmensregister.de; Angaben ohne Gewähr.)

Die Partner der Sarah Wiener.

Jochen Beutgen und Elenore Kaufhold sind langjährige Partner von Sarah Wiener.
Beide beschäftigen sich beruflich intensiv mit Immobilien.
Elenore Kaufhold hat 1999 das Unternehmen Berliner Häuser gegründet und verwaltet dort heute als Geschäftsführerin 660.000 Quadratmeter Fläche mit 27 Millionen Euro Mietvolumen (Quelle: www.berliner-haeuser.de, Stand 13.5.2019).
Jochen Beutgen ist seit 2004 bei den Berliner Häusern „und hat die Firmen-Gruppe mit aufgebaut“. So liest man auf der Homepage des Unternehmens. Weiter heisst es: „Er ist der Experte für Wertsteigerung von Bestandsimmobilien und engagiert sich außerdem selbst vielseitig als Immobilieninvestor.“ (Quelle: www.berliner-haeuser.de, Stand 13.5.2019)
Auch politisch engagiert er sich. Allerdings nicht wie Sarah Wiener für die Grünen, sondern für die CDU.
Jochen Beutgen ist Vorsitzender des Stadtverbandes der CDU Angermünde und vertritt Angermünde als Beisitzer im Kreisvorstand der CDU Uckermark.
Angermünde ist eine Stadt mit rund 14.000 Einwohnern, in der im Stadtteil Kerkow das Gut Kerkow und im Stadtteil Dobberzin das neue Haus von Sarah Wiener zu finden sind.

Gut Kerkow wird vielseitig genutzt.

Nicht nur Autorenlesungen werden von der CDU auf Gut Kerkow organisiert und angeboten. Auch CDU-Veranstaltungen wurden in letzter Zeit auf Gut Kerkow abgehalten. So lud Jochen Beutgen anläßlich der im April 2018 stattfindenden Landratswahl am 28. März 2018 zur Diskussion mit CDU Landratskandidatin Karina Dörk und CDU-Bundestagsmitglied Jens Koeppen auf Gut Kerkow. Und auch die Kandidaten der CDU für die Stadtverordnetenversammlung und den Ortsbeiräten wurden auf Gut Kerkow gewählt. Jochen Beutgen wird bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 als Spitzenkandidat für die CDU antreten. Die Verantwortliche für Presseanfragen der CDU Angermünde kandidiert auf Platz 6 und ist als Buchhalterin auf Gut Kerkow beschäftigt. (Quelle: cdu-angermuende.de)

Gut Kerkow kann noch mehr.

Gut Kerkow ist somit nicht nur die Basis für Sarah Wieners Wissen im Bereich der Landwirtschaft. Also, was man so als Wissen bezeichnen kann. Werner Kogler hat jedenfalls in der ORF Pressestunde am 12. Mai 2019 behauptet, sie hätte Fachwissen. Gut Kerkow dient sozusagen als Beweis für ihr angebliches Wissen und Können. Als Beweis für ihre guten Absichten. Als Beweis für ihren „grünen Aktivismus“. Eine Art Rechtfertigung.
Kurz gesagt: Gut Kerkow verhilft Sarah Wiener zu Glaubwürdigkeit im Bereich der Landwirtschaft.
Zumindest das, was sie uns vom Gut erzählt.
Wüßten wir alles über das Gut, wäre sie vielleicht nicht mehr so glaubwürdig.

Was hat die CDU mit den Grünen zu tun?

Eigentlich ist das nicht die Frage. Die Frage ist vielmehr, ob es ohne das Zutun von CDU-Mann Jochen Beutgen Sarah Wiener auf Gut Kerkow gäbe. Ja, ob es überhaupt die vielen Unternehmen und die Stiftung der Sarah Wiener gäbe.

Diese Frage beschäftigt mich schon länger, vor allem, seit ich das Unternehmenskonstrukt und die Beteiligungen gesehen habe. Jochen Beutgen und Elenore Kaufhold, deren Investitionen und jene von Unternehmen, in denen vor allem Jochen Beutgen leitende Funktionen innehat, halten Sarah Wiener den Rücken frei und stärken sie in finanzieller Hinsicht. Sie unterstützen sie .

So hat sie Zeit und kann sich „guten Taten“, dem Schreiben von Büchern und „Visionen“ widmen.
Sie hält Vorträge, tritt im Fernsehen und in Talkshows auf und gründet eine Stiftung. Sie tut Gutes und spricht sehr gerne und sehr viel darüber. Sie macht sich interessant. Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) lud sie sogar als Gastrednerin zum informellen Treffen des EU-Agrarrates im September 2018 nach Schloss Hof ein.

Darüber schütteln heute noch zahlreiche Landwirte und Bauernbundmitglieder den Kopf.
Denn: Anfang 2019 präsentieren die Österreichischen Grünen Sarah Wiener als ihre Kandidatin auf dem 2. Listenplatz für die EU-Wahl 2019.




Die Sarah Wiener Marketing-Wolke.

Sarah Wiener ist jemand, der gerne Geschichten erzählt. Sie hat die Fähigkeit eine grosse, flauschige Marketingwolke zu basteln, in der sich Menschen wohl fühlen. Denn in dieser Wolke ist alles gut. Die Welt darin ist perfekt. Alles „schlechte“ wird eliminiert. Das Gute siegt. Und kaum jemand stellt sie in Frage, die Wolke von Sarah.

Sie betreibt Märchenwolken-Marketing und täuscht mit Halbwahrheiten. Und sie täuscht auch die, die auf sie zählen, und all ihre Hoffnung in sie setzen: Die Grünen.

Sie erzählt uns vom desolaten Gut Kerkow, das ihr führungslos erschien und von ihr und ihren Partnern „gerettet“ wurde. Sie erzählt uns von ihren Visionen, die sie auf Gut Kerkow umgesetzt hat. Von der 7-jährigen Fruchtfolge, von der ökologischen Landwirtschaft und von Angus-Rindern. Von sieben Bienenvölkern, um die sie sich angeblich persönlich kümmert. Sie erzählt uns, dass Bio-Landwirtschaft auch ohne Agrarsubventionen möglich ist, dass man von zwei Hektar Rote Rüben in „Bio-Qualität“ leben kann, und dass „ihre“ 800 Hektar für künftige Generationen geborgt sind. Und dann erzählt sie uns von 29 Mitarbeitern, die auf Gut Kerkow leben und arbeiten.

Bei all diesen schönen Geschichten vergisst sie, dass sie Großgrundbesitzerin ist, dass man Agrarförderungen nicht beantragen muss, dass Gut Kerkow und die Unternehmen rund um Gut Kerkow und Sarah Wiener zu einem grossen Teil Investoren gehört, und dass Johannes Niedeggen Gut Kerkow eine gute Zeit vor ihr aufgebaut hat. Sie vergisst, dass Gut Kerkow damals ein Vorzeigebetrieb war, und dass das, was sie als ihre Vision bezeichnet, großteils schon da war. Vor ihr. Und sie sagt das auch nicht.

Sie hat Zeit für Geschichten. Sie muss sich nicht täglich um die Landwirtschaft kümmern. Auch nicht um die Unternehmungen, die der Sarah Wiener GmbH gehören. Sie hat auch offenbar keine finanziellen Probleme, obwohl es scheinbar nicht so gut läuft. Irgendwie hat sie es geschafft, Leute zu finden, die ihr das alles vom Leib halten, damit sie sich auf das konzentrieren kann, was sie am besten kann: Geschichten erzählen.



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Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Biobäuerin. Oder: Sarah Wiener braucht keine Bank.


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Märchen Nummer 4 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Da gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben nach der Natur ausrichten. Sie dreschen bei 40 Grad das Korn oder bringen bei nicht weniger Hitze das Heu ein. Sie richten ihr Leben nach den Bedürfnissen der Tiere, die bei Ihnen am Hof leben, aus. Sie kennen keinen Feierabend, kein Wochenende und keine Feiertage.
Die Natur bestimmt ihr Leben.

Diese Menschen nennt man Bauern.

Das Märchen von der Bio-Bäuerin.

Und dann gibt es Investoren. Investoren, die Land kaufen. Land, das bisher Bauern ihr eigen nannten. Und es gibt eine Visionärin, die von diesen Investoren unterstützt wird. Eine Visionärin, die Mitarbeitern beim Arbeiten gerne über die Schulter schaut und mit den Tieren am Hof kuschelt. Eine Bio-Bäuerin, die fröhlich in feine Gewänder gekleidet vor der alten Backsteinmauer für ein Photoshooting eines Magazins posiert, und ganz nebenbei Landwirten viele gute Tips gibt.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „Ich hatte diese Sehnsucht in mir, in der Natur zu wohnen und mich von meiner eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Mich mit dem Land und dem, was da wächst zu verbinden.“ Warum tut sie es dann nicht? Im Interview sagt sie nämlich, dass sie nicht im Kuhstall stünde und ausmisten würde, und schon gar nicht morgens um sieben. Eine Zeit lang hätte sie am Gut gewohnt, dann hat sie in der Nähe ein Haus errichtet. Dazu meint sie „Ich habe das gemacht, weil es auf dem Hof keine private Ecke gibt.“ Sie selbst bezeichnet sich als theoretische Bio-Bäuerin, und das ist sie auch. Sie nennt Schweinerassen manchmal „Sorten“, und spricht Landwirten das ab, das dafür sorgt, dass sie ihre Höfe noch bewirtschaften können: die Agrarsubventionen.

Das Märchen von den Roten Rüben.

Im Interview mit dem Kurier (5.2.2016) meint sie unter anderem: „Ich kenne einen Rote-Rüben-Bauern, der auf zwei Hektar in Bio-Qualität produziert und davon lebt.“ Ja, so stellt sie sich das vor, die Sarah. Wenn es nur so einfach wäre. Das Leben. 2 Hektar Rote Rüben und es geht uns gut. Wenn ich nun behaupte, ich hätte mir nur die Hände vor’s Gesicht gehalten und den Kopf geschüttelt, würde ich lügen. Schreien könnte ich. Laut schreien, bei derlei Behauptungen.

Es ist unfassbar, welche Märchen hier erzählt werden.

Also: zuerst einmal die Ausdrucksweise.
Es gibt keine „Bio-Qualität“!
Es gibt bio (kontrolliert biologischer Anbau = kbA) oder konventionell.


Als Bio-Gemüsebäuerin tut mir diese Aussage richtig weh. Schon einmal etwas von Fruchtfolge gehört? Ah ja, da gab’s ja die Sarah-Vision von der 7-jährigen Fruchtfolge. Die hätte sie auf Gut Kerkow eingeführt. Und jetzt sind wir wieder bei der Fruchtfolge, über die Bäuerinnen und Bauern sehr, sehr gut Bescheid wissen. Sarah Wiener offenbar nicht, obwohl sie diesbezüglich ja Visionen hat (siehe Märchen Nummer 3 ). Denn nach Roten Rüben darf man zumindest in den drei folgenden Jahren keine Roten Rüben am gleichen Platz anbauen. Und wenn dieser Biobauer von zwei Hektar Roten Rüben leben wollte, bräuchte er mindestens acht Hektar Grund und eine ordentliche Fruchtfolge, müßte also während der drei Jahren „Pause“ andere Kulturen anbauen.

Und ich glaube, ich weiss, welchen Bio-Bauern sie meint. Und wenn es wirklich dieser Bio-Bauer ist, dann bewirtschaftet er cirka 100 Hektar, hat 2017 rund 66.000 Euro Förderung erhalten, und baut nicht nur Rote Rüben an, sondern – laut Biozertifikat – auch Getreide, Erdäpfel, Hülsenfrüchte und Gemüse. Und diese anderen Kulturen braucht er auch. Weil sonst nämlich seine Roten Rüben nicht wachsen.

Wenn ich mir das alles so überlege, weiss ich nicht, ob eine Visionärin, die sich mir gerade im Bereich der Landwirtschaft als teilweise sehr unwissend darstellt, und die manchmal etwas erzählt, was nicht so ganz stimmt, wirklich dafür geeignet ist, mitzubestimmen, wohin es in der europäischen Agrarpolitik gehen soll. Denn: die Agrarpolitik ist nicht irgendein kleines Teilchen im grossen Ganzen der EU.

Die Agrarpolitik ist der größte und wichtigste Teil.




Das Märchen von den Bienen.

„Darüber hinaus wollen wir mit weiteren Nutztieren wie Bienen ganzheitlicher Landwirtschaft nachgehen.“ liest man auf der Homepage von Gut Kerkow. Weiter heisst es „[…] haben wir rund um Gut Kerkow insgesamt 7 Bienenvölker auf unseren Weiden und Ackerflächen etabliert, um die sich Sarah Wiener persönlich kümmert.“

Also 7 Bienenvölker sind jetzt nicht so viel bei 800 Hektar Fläche. Noch dazu wenn man ganzheitliche Landwirtschaft betreibt. Da gibt es Platz für mehr. Allerdings würde man dann auch mehr Personal benötigen. Der Zeitwaufwand für die Betreuung von 7 Bienenvölkerern beträgt im Jahresschnitt rund 3-4 Stunden pro Woche.

Und hier wird man dann stutzig. Kümmert sich Sarah Wiener wirklich persönlich um diese 7 Bienenvölker? In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „…die sind wirklich ganz allein mein Job.“ Eine Nachfrage auf Gut Kerkow hat ergeben, dass Sarah Wiener dafür noch jemanden hat, der das übernimmt, da sie ja nicht so oft da wäre, am Gut.

Wenn man schon den Bauern erzählen möchte, wie sie ihre Arbeit machen sollen, dann muss man auch selbst diese Arbeit machen. Und nicht machen lassen. Und man muss auch selbst alle finanziellen Risiken tragen. So wie die Bauern auch, die immer wieder als Bittsteller bei Banken vorstellig werden müssen.

Sarah Wiener braucht keine Bank.

Wenn man natürlich eine Gruppe von freudvollen Finanziers (siehe Märchen Nummer 2 ) an der Hand hat, die einem den Rücken stärkt, die einem alle finanziellen Risiken und Sorgen abnimmt, und – wenn es sein muss – locker-flockig das Eigenkapital aufstockt, man zudem – in diesem Fall für die Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co. KG – nicht haftet, dann lässt es sich sehr engagiert über eine Kürzung und/oder Veränderung von Agrarsubventionen sprechen.

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Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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118

Märchen Nummer 3 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

In einem Interview mit der dpa (Deutsche Presse-Agentur, April 2019) bezeichnet sich Sarah Wiener in Bezug auf Gut Kerkow als „Chefideologin“, die Visionen hat.

In diversen Interviews mit ihr kann man nachlesen und nachhören, was sie nicht alles erneuert und verbessert und auch „neu erfunden“ hat.
Auch – so kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – soll Gut Kerkow für sie etwas desolat und führungslos gewirkt haben. In einem Interview (Berliner Zeitung 17.6.2018) spricht sie sogar von einem völlig marodem und verschuldetem Hof.

Bild: David Zydd auf Pixabay.


Das Märchen von der Visionärin.

Sarah Wiener hat – gemeinsam mit ihren Partnern – Gut Kerkow im Jahr 2014 gekauft.
Der vorherige Eigentümer, und sehr bekannte und angesehene Diplomagraringenieur, Johannes Niedeggen, war im Jahr 2013 am Gut tödlich verunglückt.

Nun heisst es, Gut Kerkow befände sich seit der Übernahme in Sanierung (Jochen Beutgen gegenüber Ö1; Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019).

Das alles klingt so, als wären Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Wunderwuzzis, die einen angeblich herabgewirtschafteten Hof auf Vordermann bringen. Dazu kommt noch eine selbst ernannte Bio-Bäuerin und „Visionärin“, die uns erzählt, welche ihrer großartigen Visionen sie nicht alle aus Gut Kerkow umgesetzt hat. Schauen wir einmal ein wenig in die Vergangenheit. War das nicht schon alles vorher da?

Der Visionär, der Gut Kerkow aufgebaut hat.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt: Johannes Niedeggen.
Am 3. Mai 1994 hat er Gut Kerkow von der Treuhand gekauft, und zwar ohne Mitarbeiter und ohne Rinder.
Er war ein Visionär, der Gut Kerkow mit Liebe und Hingabe zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht hat. Davon zeugen viele Medienberichte, unter anderem eine 5-seitige Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011.

Ihm war das nachhaltige Wirtschaften ein grosses Anliegen, und das hat er auf Gut Kerkow in Form der Kreislaufwirtschaft umgesetzt. Auch zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen trug er bei, und machte Gut Kerkow zu einem von 70 Archehöfen Deutschlands.

Neben der Milchkuhhaltung hat er bereits 1994 mit der Aberdeen-Angus-Zucht begonnen und eine Herde mit 100 Angusmutterkühen aufgebaut. Er hat sich für erneuerbare Energie eingesetzt und eine Biogasanlage sowie eine öffentliche Tankstelle für Diesel und Pflanzenöl gebaut. Zwei seiner Traktoren hat er für Rapsöl umgerüstet und konnte das kaltgepresste Rapsöl als Treibstoff nutzen. Auch war er bei der größten europäischen Biofachmesse, der Biofach, im Jahr 2012 Vortragender zum Thema Biogas.
Er baute das Gutshaus zur Pension um, richtete eine Gaststätte, einen Veranstaltungsraum und einen Bauernmarkt ein. Überdies baute er eine „Registrierte Schlachtstätte“ für die Hofschlachtung. Er setzte sich sehr für das Tierwohl ein und ließ seine Schafe und Rinder das ganze Jahr über halbwild auf den Wiesen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin leben. Johannes Niedeggen hat 5 Millionen Euro investiert und 22 Arbeitsplätze geschaffen. (Quelle: Homepage von Gut Kerkow vom 24.12.2006)

Also alles schon da, als Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Gut Kerkow kaufen, oder? Und von desolat oder marode kann auch nicht die Rede sein. Denn: der Ortsvorsteher von Kerkow, Reinhard Koslowski beschrieb 2013, als Johannes Niedeggen verunglückte, Gut Kerkow als moderenen Bio-und Erlebnishof, der sich durch zahlreiche Initiativen, von Regionalvermarktung bis Landpartie, einen Namen gemacht hat, der weit über Kerkow und die Uckermark ausstrahlt. (MOZ, 28.2.2013)

In ihrem neuen Buch schreibt Sarah Wiener „Vor allem aber wurden vor einigen Jahren die ersten Weichen in Richtung ökologische Landwirtschaft gestellt.“ Eigentlich war der Betrieb bereits seit 2011 komplett auf bio, also ökologisch, umgestellt. Da waren keine Weichen mehr. Es war alles schon erledigt. Auch Bilder des Guts aus der Zeit von Johannes Niedeggen und Berichte darüber zeigen einen wunderbaren Bio-Gutsbetrieb. Ich sehe jetzt nicht grossartig eine Änderung durch Sarah Wiener als „Chefideologin“. Aber schauen wir uns doch eine ihrer „visionären“ Ideen an.

Die Vision von der Fruchtfolge.

Wenn sie sagt „Meine Idee war zum Beispiel einfach die siebenjährige Fruchtfolge einzuführen.“ (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) kann es sein, dass viele Landwirte komische Gesichter machen.

Johannes Niedeggen hat es sicher nicht viel anders gemacht, denn angesichts der Kulturen, die er angebaut hat (Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011), war auch nicht viel anderes möglich.




Landwirte achten grundsätzlich auf die Fruchtfolge. Vielleicht nicht sieben Jahre, aber sie planen mindestens 5 Jahre voraus, denn sie möchten ja eine gute Ernte. Und das funktioniert ohne kluge, geplante Fruchtfolge nicht. Noch dazu gibt es etliche Kulturen, die einen Fruchtfolgeabstand von mindestens 4-5 Jahren benötigen. Das gilt nicht nur für Bio-Betriebe, sondern auch für die konventionelle Bewirtschaftung.

Laut dem letzten Biozertifikat gibt es auf Gut Kerkow Silomais, Grün- und Raufutter und Getreide. Eine Rückfrage am Gut Kerkow hat ergeben, dass kein Mais angebaut wird, sondern Gerste, Roggen, Winterweizen, Dinkel, Sommerroggen und Sommerhafer. Für die Fruchtfolge wird zwischen diesen Kulturen 2 Jahre, manchmal auch länger, Kleegras angebaut (das für die Rinder benötigt wird).

Ich frage mich, was daran gross neu und innovativ sein soll? Das machen andere Landwirte auch. Das hat Sarah Wiener nicht erfunden. Vor allem: wenn man mit dem, was man anbaut, hauptsächlich Tierfutter „produzieren“ muss, dann hat man nicht viele Möglichkeiten. Das ist sozusagen „aufgelegt“, wie wir Österreich so schön zu sagen pflegen.

Bei der Auswahl von Getreide und Kleegras ist der Plan für die nächsten sieben Jahre nicht sehr kompliziert. Es gibt Bio-Landwirte, die bauen andere Kulturen an, da wird das schon weit komplexer.
Und warum wird auf Gut Kerkow kein Gemüse angebaut? Dann könnte man das eigene Gemüse über den Bioladen vermarkten und müßte das nicht zukaufen. Kürbisse, zum Beispiel, würden sich bei den sandigen Böden dort sehr gut eignen. (Auch ich kann gute Tips geben.)

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Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaf tund Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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54

Märchen Nummer 2 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Die Vorgeschichte: In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagte Sarah Wiener: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“

Diese Aussage ist falsch, wie unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in einem Schreiben erklärt.


Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner.

Sprechen wir über die Empfänger von Agrarförderungen, die „keine Bauern sind“. Sprechen wir über Sarah und ihre Landwirtschaft. Gut Kerkow. Das ist zwar ein landwirtschaftlicher Betrieb, aber – wer sind die Eigentümer? Sind das Landwirte? Wer sind die von Sarah Wiener immer im Zusammenhang mit Gut Kerkow und der Sarah Wiener Gruppe genannten Partner?

Es sind Investoren. Grosse Investoren. In einem Interview (erschienen im Kurier am 5.2.2016) sagte Sarah Wiener: „Leute mit Knete und Fonds sehen Boden als Wertanlage und treiben die Preise in die Höhe. Eine bedenkliche Entwicklung.“

Und auch der frühere Eigentümer von Gut Kerkow, Johannes Niedeggen (2013 tödlich verunglückt), war dieser Meinung. In einem Report von Deutschlandfunk Kultur im Jahr 2008 ist unter anderem über ihn zu lesen: „Was ihm nicht gefällt, ist der Einstieg von Finanzinvestoren in die Landwirtschaft“.

Bei Sarah Wieners Partner handelt es sich nicht nur um Personen, sondern auch um Gesellschaften (Ges.m.b.H.) und AGs. Rund um Sarah Wiener findet sich ein Firmengeflecht, bei dessen Betrachtung man sich schon fragt: ist das wirklich notwendig? Da gibt es einen Gutsbetrieb, der 800 Hektar bewirtschaftet. Er ist auf die Rinderzucht und die Vermarktung von Rindfleisch spezialisiert und verfügt über eine Biogas-Anlage und einen Ab-Hof-Verkauf mit Bioladen. Eine ganz simple Sache.

Und dann sieht man das Unternehmenskonstrukt rund um Gut Kerkow und fragt:
Was hat das mit Landwirtschaft zu tun?


Firmengeflecht-gross-mit-GF


Wenn man sich das so ansieht, dann könnte man meinen, mit all den Finanziers im Hintergrund könnte Sarah Wiener ganz locker auf Agrarsubventionen verzichten. Vor allem weil sie ja dagegen ist, dass diejenigen, die keine Landwirte sind, welche erhalten. Verzichten ist auch ganz einfach. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen.

Werner Kogler (Die Grünen) verteidigt die Förderungen (2017: 316.867 Euro, 2016: 320.100 Euro) für den Hof von Sarah Wiener in der ZIB 2 am 17.3.2019 und meint „[…] Sie hat einen biologischen Hof, der mit Hofschlachtung – alles pico bello – sie haben die Bodenhaltung bei Tieren […] Das ist ja ein Kollektivgut. Sie müssen ja verstehen: das war in der ehemaligen DDR dort. Das ist dort ein kleiner oder mittlerer Betrieb. Das ist eine völlig andere Situation dort an der polnischen Grenze. Im übrigen haben sich das ja mehrere aufgeteilt, und sie hat einen Anteil von 20 Prozent.“

Also ich gehe schon davon aus, dass auf Gut Kerkow die Rinder und Schweine auf dem Boden gehalten werden, wie auf anderen Bauernhöfen auch. Was da an der polnischen Grenze – knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer – grossartig anders sein soll als bei uns, weiss ich jetzt nicht. Und dass sich die Eigentümer von Gut Kerkow die Agrarsubventionen aufgeteilt und quasi nach Hause genommen haben sollen, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Aber wenn eine „kollektive Landwirtschaft à la Werner Kogler“ so aussieht wie jene von Gut Kerkow (siehe Graphik), dann haben die Grünen vielleicht ein kleines ideologisches Problem.
Übrigens: die Mitarbeiter sollen – laut telephonischer Nachfrage am Gut – nicht beteiligt sein.

Agrarland entwickelt sich immer mehr zu einer sehr attraktiven Anlageform für Investoren und Großkonzerne. Der Ausverkauf der Landwirtschaft läuft bereits über Jahrzehnte. Vor allem im ehemaligen Ostdeutschland wurden nach der Wende Agrarflächen zu Anlagezwecken von finanzstarken Unternehmen erworben.


Nun fällt einem in diesem Firmengeflecht ein Name immer wieder auf: Jochen (Thomas) Beutgen (geb. Becker). Er ist immer „mit dabei“. Zumeist als Gesellschafter, Geschäftsführer, manchmal auch als Prokurist oder in anderer Funktion. Man muss nicht lange recherchieren, um ihn in vielen Unternehmen, hauptsächlich im Immobilien- und Beteiligungsbereich, in unterschiedlichen Funktionen zu finden. Einige Beispiele sind: Becker Vermögensverwaltung KG, Berlin Bioinvest GmbH, Dirk Buddensiek Holding GmbH, Social Enterprise Holding Berlin AG und Trafo Investment GmbH.

Bis 2018 war Jochen Beutgen persönlich haftender Gesellschafter in der damaligen Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb KG. Dann wurde die Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH als 100%-ige Tochter der Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co.KG gegründet. Und die neu gegründete Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH wurde Komplementärin des Mutterunternehmens. Wozu das gut sein soll? Das kann jeder für sich interpretieren.

Angesichts der sehr interessanten Unternehmens- und Beteiligungskonstellationen rund um Sarah Wiener und Gut Kerkow muss man sich fragen, mit wem und womit man es zu tun hat. Und wer hat hier eigentlich das Sagen?



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Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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48

Märchen Nummer 1 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Wir sehen weites Land.
Unser Land.
Das Land unserer Bauern.
Land, auf dem das wächst, was wir brauchen.
Bestellt, behütet und beerntet.
Da steht er, der Bauer.
Ein Mensch, der nichts anderes möchte,
als das bewahren, was uns ernährt.
Wissend um die Natur. Wissend um alles,
was das bedroht, was uns ernährt.

Er lebt in und mit der Natur und trotzt ihren Gewalten, wenn es darum geht, das zu tun, was getan werden muss. Weil es die Natur verlangt. Und er tut es gern. Und ehrlich.

Und jetzt?
Jetzt kommt Sarah.
Sarah erzählt ihm, dass er es nicht richtig macht.
Also falsch macht er es.
Ganz falsch.
Und Geld bekommt er. Agrarsubventionen, also Förderungen.
Und die soll er gar nicht bekommen.
Sagt Sarah.

Das Märchen von den Agrarsubventionen.
Sarah erzählt uns etwas über Landwirtschaft. Sie erzählt von Agrarsubventionen, die jeder bekommen kann. In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagt sie: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“
Gut, dass Sarah Wiener dagegen ist. Ich bin nämlich auch dagegen. Weil es so etwas nicht gibt. Das, was Sarah Wiener in diesem Interview gesagt hat, gibt es nicht.

Die Wahrheit über die Agrarsubventionen.
Wenn man kein Landwirt ist, bekommt man auch keine Agrarsubventionen. Um Agrarsubventionen, von unseren Bauern schlicht „Förderungen“ genannt, zu erhalten, muss man einen Antrag stellen, den sogenannten Mehrfachantrag. Dafür ist eine landwirtschaftliche Betriebsnummer erforderlich. Diese bekommt man nicht einfach so. Und es ist auch nicht egal, was man mit dem Land macht. Man muss darauf landwirtschaftliche Produkte erzeugen. Anbauen, kultivieren, ernten. Und noch vieles mehr müssen Landwirte tun, um überhaupt eine Chance auf irgendeine Förderung, sei es nur die von Sarah Wiener gerne genannte „Flächenprämie“, zu haben.
Sarah kann also gern dagegen sein, weil es das, was sie in einem Interview mit Ö1 von sich gibt, nicht gibt. Und sie kann sich hier auch nicht geirrt haben. Denn in Deutschland gelten die gleichen Regeln wie bei uns. Es handelt sich ja um Förderungen der EU.

Ich habe in Deutschland nachgefragt, und zwar in Bayern. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt unter anderem: „So gewährt z.B. die erste Säule Landwirten je Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche eine von Art und Umfang der Produktion unabhängige Direktzahlung. Um die Direktzahlungen zu erhalten, müssen allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind in Deutschland bzw. Bayern, wie in Österreich auch, u. a. eine Betriebsnummer und der Mehrfachantrag. Zudem müssen die Landwirte eine Reihe von Auflagen beim Umweltschutz aber auch bei der Lebensmittelsicherheit und beim Tierschutz einhalten. […] Die zitierte Aussage von Frau Sarah Wiener „Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist“ ist auch für deutsche bzw. bayerische Landwirte schlichtweg falsch.“

Da behauptet Sarah Wiener in einem Interview etwas, was hinten und vorne nicht stimmt, und niemand sagt etwas dazu. Kein Korrektiv.

Nicht von der Landwirtschaftsministerin, Elisabeth Köstinger, nicht vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, und nicht vom Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser. Wenigstens der – als Präsident einer Teilorganisation der ÖVP – hätte doch etwas sagen können, um diese Behauptungen, mit denen gegen Bauern gehetzt wird, richtig zu stellen. Nein.


Und die Medien? Was machen die? Die teilen das den Lesern 1:1 mit. Nicht nachgeprüft. Nicht kritisch hinterfragt. Einfach so. Abgeschrieben. Die APA schickt es aus, die deutsche Presseagentur ebenfalls, und diverse Tageszeitungen drucken diese falschen Behauptungen unkommentiert ab.

Eine Schande für die freie Presse und eine Schande für die Vertreter der Landwirte.
Da stellt sich schon die Frage, ob Journalisten nur noch „abschreiben“ oder auch noch selbst recherchieren können. Und – was noch schlimmer ist – ob Landwirte in Österreich noch eine Vertretung und Lobby haben. Aber – zurück zu Sarah Wiener. Wenn sie dagegen ist, dass jemand Agrarsubventionen erhält, der kein Landwirt ist, hätte sie ja für Gut Kerkow auf 316.867 Euro (im Jahr 2017, 320.100 Euro im Jahr 2016) verzichten können. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen. Die Förderungen kommen ja nicht automatisch. Da muss man schon etwas dafür tun.

Und sie hätte sie ja auch nicht nötig. Denn anders als die richtigen Landwirte, braucht Sarah Wiener keine Bank, bei der sie alle paar Monate untertänigst vorstellig werden muss. Sie braucht auch nicht zittern, dass sie den Kredit nicht zurückzahlen kann, weil die Ernte katastrophal schlecht ist, weil es nicht regnet oder der Derbrüsselkäfer die Zuckerrüben eliminiert hat.

Das braucht sie alles nicht. Warum? Das erfahren Sie in meinem nächsten Blog.

Ich freue mich auf viele Kommentare, Herzerln, und natürlich wenn Sie meinen Blog teilen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


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DHL will meinen Blog versenden.

Ja, DHL. Und da gibt es noch andere sogenannte Paketdienste.
Aber – DHL ist mir heute ganz besonders aufgefallen.
Heute ist der 28. November 2018.
Es ist 13:55 Uhr.
Ich bekomme einen Anruf von der Nummer 01-76600.
Ein Herr S. von DHL ist am Telephon.

Es ist ein sehr schwieriges Telephonat.
Wir alle wissen ja, die Kommunikation zwischen Mann und Frau ist machmal eine schwierige.
Aber damit hat es jetzt wahrlich nichts zu tun.

Herr S. von DHL meint, er wäre im Internet auf meine Seite gestoßen.
Da denke ich natürlich gleich an meinen Webshop Sandali oder an meine Bio-Landwirtschaft Bio-Birgit.
Aber nein.
Dasistlos.at heißt die Seite, meint er.

Aha, auch gut. Vielleicht möchte DHL ja Werbung auf meiner Seite machen.
Gut besucht ist sie ja.
Schauen wir einmal, was Herr S. von mir möchte.



Herr S. meint, ob ich nicht via DHL versenden möchte.
Ich: „Und was soll ich da versenden?“ .

Herr S. schweigt.

Ich: „Das ist ein Blog. Ein Online-Blog, sage ich ihm.

Stille am Telephon.

Haben Sie das verstanden? Den Blog gibt es nur im Internet.
Da wird nichts versendet.“

Noch immer Stille.



Und dann – die scheinbare Lösung für Herrn S. – in letzter Minute.
Er meint: „Sie sind ja auch Autorin.
Ich: „Ja.“
Er: „Sie schreiben ja Bücher.“
Ich: „Ja. Und die versende ich selber?“

Es ist ein Kampf.
Ein Kampf um’s wirtschaftliche Überleben der Paketdienste.
Und ein Kampf um die Intelligenz.
Wobei – der, der’s nicht hat, der kämpft wahrscheinlich nicht.

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Was mich glücklich macht. (Teil 3)

Was macht eine kleine Bio-Bäuerin glücklich?
Natürlich eine schöne Ernte.
Aber – die ist in diesem Jahr nicht so gut ausgefallen
Und das ist noch positiv formuliert.



Heute hat mich ein E-Mail glücklich gemacht.
Von meinem Zahnarzt.
Ja, ihr lest schon richtig.
Von meinem Zahnarzt.

Er hat nämlich bei mir einen größeren Einkauf getätigt.
Unter anderem die feine Gemüsewürze, die ich aus meinem eigenen Bio-Gemüse herstelle.
Er schwärmt davon, und hat sich viele, viele Gläser „gesichert“.
Jetzt hat er mir ein E-Mail geschickt, mit einem Photo von einem Teil des Vorrats.

„Der Winter kann kommen“, hat er geschrieben.

Und ich freue mich.
Ich freue mich, dass meine selbst produzierten feinen Lebensmittel so gut angenommen werden.

Mehr braucht’s nicht zum Glück einer kleinen Bio-Bäuerin.

Übrigens: meine Produkte findet ihr hier: https://www.bio-birgit.at/bio-birgit-shop/

 

Weitere Blogs zu ähnlichen Themen:
Da steht was weg.
Die andere Tanzschule.
Der Striezel und das Schatzi.
Warum lächelst Du?
Das ist auch eine Möglichkeit.
Schön verheiratet.
Schlechtes Gewissen.
1. April 2009.
Das ist traurig.
Junges Gemüse – ganz früh.
Kräuter im Frühling.
Schreiben ist zu wenig. (Biene 2)
Mode für Bio-Bäuerinnen. (1)
Der Löwenzahn und die Biene. (Biene 1)
Was mich glücklich macht (Teil 1).
Wer weiss, wozu’s gut ist.
Der Müll, der Nöli und wir.

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Glättung Nummer 2.

Ich brauche ein Portraitphoto.
Immer wieder fehlt mir für verschiedene Gelegenheiten ein schönes, professionelles Portraitphoto von mir selbst.
Am Dienstag war es dann so weit.
Ich fasste mir ein Herz und vereinbarte einen Termin beim Photographen.
Und hier fängt alles an.

Die Geschichte der Glättung Nummer 2.



Haare waschen, Haare frisieren (das mach ich sonst nie!), Haare föhnen, nicht einfach so, sondern mit der Rundbürste. Das ist schon einmal ein Aufwand, den ich gar nicht mag. Die sollen alleine trocknen. Ich will nicht vor’m Spiegel stehen und mir die Arme mit Föhn und Rundbürste verrenken. Noch dazu hab ich diese eigenartigen Haare. Man frisiert sie und 2 Minuten später sind sie wieder so verheddert, dass man wieder nicht mit der Bürste durchkommt und jedes 2. Haar ausreisst. Eine Aufgabe, die in Oberarm-Muskeltraining endet.

Aber – was tut man nicht alles für ein schönes Portraitphoto.

Meine dekorative Kosmetik hab ich schon vor Jahren weggeräumt.
30 Minuten habe ich gesucht.
Dann habe ich eine Grundierung, ein helles Puder und ein kleines Pinserl gefunden. Das Rouge war unauffindbar. Lediglich der grosse Rougepinsel ist aufgetaucht, mit noch etwas Rouge aus vergangenen Zeiten d’rauf. Um genau zu sein, das war 10 Jahre alt – also bereits pubertierend.

Ich malte mir also ein Gesicht.
Und ich dachte, es wäre ein schönes Gesicht.



Jetzt musste ich noch verschiedene Outfits suchen. Keiner meiner Blazer passte mir noch. Also nahm ich den schönen schwarzen von Ivan Grundahl, geschätzte 15 Jahre alt, wo die Knöpfe 10 cm von den Knopflöchern entfernt sind.
Sieht ja keiner.
Ist ja nur ein Brustbild.
Das geht schon.

Das Photoshooting war anstrengend.
Das Ergebnis …

„Jessas. Soooo schau‘ ich aus?“
„Bist ja keine 20 mehr“ meinte mein Photograph.
Naja gut, aber sooo schiach?

Das kann ich gar nicht verwenden.
Das geht nicht.

Meine ganzen Hoffnungen setzte ich nun auf die Retusche.
Leider setzte sich mein Photograph kurzfristig ab, weil irgendetwas passiert war.
Nun stand ich alleine da.

Und da – da kommt Isi ins Spiel. Ja, mein Tanzlehrer Isi (www.isi-dance.at).
Er gab mir einen wirklich wunderbaren Tip: Snapseed. Eine App, mit der man am Handy Photos retuschieren kann. Also eine grobe Retusche, nicht wie vom Profi, aber so, wie ich sie halt gerade noch schaffe.

Dieses Ding, also Snapseed, ist der Hit.
Es bietet tolle Möglichkeiten, Bilder zu verändern.
Und ich spreche da nicht von Helligkeit und Kontrast – haha.
Nein, davon nicht.
Ich spreche von Retro, Glamour Glow, Grunge, und solchen Dingen.



Aber vor allem – ja – vor allem spreche ich von Glättung.
Ja, Glättung.
Es gibt Glättung 1 und Glättung 2.
Ich hab‘ Glättung 2 gewählt.

Und jetzt – jetzt bin ich wieder 20.

Weitere Blogs zu ähnlichen Themen:
Schlechtes Gewissen.
Da steht was weg.

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Der Müll, der Nöli und wir.

Manchmal erschrecke ich. Ich erschrecke, wieviel Müll wir produzieren. Wir beide, Herbert und ich. Ein Zwei-Personen-Haushalt. Dabei kaufen wir kaum etwas mit Verpackung ein, da wir sehr vieles selbst produzieren, also Gemüse und Obst. Und trotzdem. „Der Müll, der Nöli und wir.“ weiterlesen9

Da steht was weg.

Ja, ich bin dick. So ist es. Und das Schatzi ist auch ein wenig rundlich, aber sehr elastisch. Und wenn wir etwas schneller aufeinander zugehen, dann kann es sein, dass ich – bei seinem Bauch angekommen – gleich wieder abgefedert werde und leicht nach hinten kippe.
Zumeist lachen wir dann. Wir mögen das.
Auch spannt die Haut rund um den Bauch, und nicht nur dort. Herbert meint, darum sind wir faltenfrei. „Da steht was weg.“ weiterlesen

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14

Will Bürgermeister keine Windräder?

Ökozentrum ja.
Radwege ja.

Gesunde Gemeinde nein.
Bienenfreundliche Blumen nein.
Und Windräder schon überhaupt nicht.

Was ist mit dem Bürgermeister von Hohenau/March los? „Will Bürgermeister keine Windräder?“ weiterlesen

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Die andere Tanzschule.

September 2009.

Ich bin frisch verliebt.
Er ist ein toller Tänzer.
Ich habe noch nie getanzt.

Auf geht’s – in die Tanzschule. „Die andere Tanzschule.“ weiterlesen

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