Märchen Nummer 4 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Da gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben nach der Natur ausrichten. Sie dreschen bei 40 Grad das Korn oder bringen bei nicht weniger Hitze das Heu ein. Sie richten ihr Leben nach den Bedürfnissen der Tiere, die bei Ihnen am Hof leben, aus. Sie kennen keinen Feierabend, kein Wochenende und keine Feiertage.
Die Natur bestimmt ihr Leben.

Diese Menschen nennt man Bauern.

Das Märchen von der Bio-Bäuerin.

Und dann gibt es Investoren. Investoren, die Land kaufen. Land, das bisher Bauern ihr eigen nannten. Und es gibt eine Visionärin, die von diesen Investoren unterstützt wird. Eine Visionärin, die Mitarbeitern beim Arbeiten gerne über die Schulter schaut und mit den Tieren am Hof kuschelt. Eine Bio-Bäuerin, die fröhlich in feine Gewänder gekleidet vor der alten Backsteinmauer für ein Photoshooting eines Magazins posiert, und ganz nebenbei Landwirten viele gute Tips gibt.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „Ich hatte diese Sehnsucht in mir, in der Natur zu wohnen und mich von meiner eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Mich mit dem Land und dem, was da wächst zu verbinden.“ Warum tut sie es dann nicht? Im Interview sagt sie nämlich, dass sie nicht im Kuhstall stünde und ausmisten würde, und schon gar nicht morgens um sieben. Eine Zeit lang hätte sie am Gut gewohnt, dann hat sie in der Nähe ein Haus errichtet. Dazu meint sie „Ich habe das gemacht, weil es auf dem Hof keine private Ecke gibt.“ Sie selbst bezeichnet sich als theoretische Bio-Bäuerin, und das ist sie auch. Sie nennt Schweinerassen manchmal „Sorten“, und spricht Landwirten das ab, das dafür sorgt, dass sie ihre Höfe noch bewirtschaften können: die Agrarsubventionen.

Das Märchen von den Roten Rüben.

Im Interview mit dem Kurier (5.2.2016) meint sie unter anderem: „Ich kenne einen Rote-Rüben-Bauern, der auf zwei Hektar in Bio-Qualität produziert und davon lebt.“ Ja, so stellt sie sich das vor, die Sarah. Wenn es nur so einfach wäre. Das Leben. 2 Hektar Rote Rüben und es geht uns gut. Wenn ich nun behaupte, ich hätte mir nur die Hände vor’s Gesicht gehalten und den Kopf geschüttelt, würde ich lügen. Schreien könnte ich. Laut schreien, bei derlei Behauptungen.

Es ist unfassbar, welche Märchen hier erzählt werden.

Also: zuerst einmal die Ausdrucksweise.
Es gibt keine „Bio-Qualität“!
Es gibt bio (kontrolliert biologischer Anbau = kbA) oder konventionell.


Als Bio-Gemüsebäuerin tut mir diese Aussage richtig weh. Schon einmal etwas von Fruchtfolge gehört? Ah ja, da gab’s ja die Sarah-Vision von der 7-jährigen Fruchtfolge. Die hätte sie auf Gut Kerkow eingeführt. Und jetzt sind wir wieder bei der Fruchtfolge, über die Bäuerinnen und Bauern sehr, sehr gut Bescheid wissen. Sarah Wiener offenbar nicht, obwohl sie diesbezüglich ja Visionen hat (siehe Märchen Nummer 3 ). Denn nach Roten Rüben darf man zumindest in den drei folgenden Jahren keine Roten Rüben am gleichen Platz anbauen. Und wenn dieser Biobauer von zwei Hektar Roten Rüben leben wollte, bräuchte er mindestens acht Hektar Grund und eine ordentliche Fruchtfolge, müßte also während der drei Jahren „Pause“ andere Kulturen anbauen.

Und ich glaube, ich weiss, welchen Bio-Bauern sie meint. Und wenn es wirklich dieser Bio-Bauer ist, dann bewirtschaftet er cirka 100 Hektar, hat 2017 rund 66.000 Euro Förderung erhalten, und baut nicht nur Rote Rüben an, sondern – laut Biozertifikat – auch Getreide, Erdäpfel, Hülsenfrüchte und Gemüse. Und diese anderen Kulturen braucht er auch. Weil sonst nämlich seine Roten Rüben nicht wachsen.

Wenn ich mir das alles so überlege, weiss ich nicht, ob eine Visionärin, die sich mir gerade im Bereich der Landwirtschaft als teilweise sehr unwissend darstellt, und die manchmal etwas erzählt, was nicht so ganz stimmt, wirklich dafür geeignet ist, mitzubestimmen, wohin es in der europäischen Agrarpolitik gehen soll. Denn: die Agrarpolitik ist nicht irgendein kleines Teilchen im grossen Ganzen der EU.

Die Agrarpolitik ist der größte und wichtigste Teil.




Das Märchen von den Bienen.

„Darüber hinaus wollen wir mit weiteren Nutztieren wie Bienen ganzheitlicher Landwirtschaft nachgehen.“ liest man auf der Homepage von Gut Kerkow. Weiter heisst es „[…] haben wir rund um Gut Kerkow insgesamt 7 Bienenvölker auf unseren Weiden und Ackerflächen etabliert, um die sich Sarah Wiener persönlich kümmert.“

Also 7 Bienenvölker sind jetzt nicht so viel bei 800 Hektar Fläche. Noch dazu wenn man ganzheitliche Landwirtschaft betreibt. Da gibt es Platz für mehr. Allerdings würde man dann auch mehr Personal benötigen. Der Zeitwaufwand für die Betreuung von 7 Bienenvölkerern beträgt im Jahresschnitt rund 3-4 Stunden pro Woche.

Und hier wird man dann stutzig. Kümmert sich Sarah Wiener wirklich persönlich um diese 7 Bienenvölker? In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie „…die sind wirklich ganz allein mein Job.“ Eine Nachfrage auf Gut Kerkow hat ergeben, dass Sarah Wiener dafür noch jemanden hat, der das übernimmt, da sie ja nicht so oft da wäre, am Gut.

Wenn man schon den Bauern erzählen möchte, wie sie ihre Arbeit machen sollen, dann muss man auch selbst diese Arbeit machen. Und nicht machen lassen. Und man muss auch selbst alle finanziellen Risiken tragen. So wie die Bauern auch, die immer wieder als Bittsteller bei Banken vorstellig werden müssen.

Sarah Wiener braucht keine Bank.

Wenn man natürlich eine Gruppe von freudvollen Finanziers (siehe Märchen Nummer 2 ) an der Hand hat, die einem den Rücken stärkt, die einem alle finanziellen Risiken und Sorgen abnimmt, und – wenn es sein muss – locker-flockig das Eigenkapital aufstockt, man zudem – in diesem Fall für die Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co. KG – nicht haftet, dann lässt es sich sehr engagiert über eine Kürzung und/oder Veränderung von Agrarsubventionen sprechen.

Ich freue mich auf viele Kommentare, Herzerln, und natürlich sehr, wenn Sie meinen Blog teilen.
Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

112

Märchen Nummer 3 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

In einem Interview mit der dpa (Deutsche Presse-Agentur, April 2019) bezeichnet sich Sarah Wiener in Bezug auf Gut Kerkow als „Chefideologin“, die Visionen hat.

In diversen Interviews mit ihr kann man nachlesen und nachhören, was sie nicht alles erneuert und verbessert und auch „neu erfunden“ hat.
Auch – so kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – soll Gut Kerkow für sie etwas desolat und führungslos gewirkt haben. In einem Interview (Berliner Zeitung 17.6.2018) spricht sie sogar von einem völlig marodem und verschuldetem Hof.

Bild: David Zydd auf Pixabay.


Das Märchen von der Visionärin.

Sarah Wiener hat – gemeinsam mit ihren Partnern – Gut Kerkow im Jahr 2014 gekauft.
Der vorherige Eigentümer, und sehr bekannte und angesehene Diplomagraringenieur, Johannes Niedeggen, war im Jahr 2013 am Gut tödlich verunglückt.

Nun heisst es, Gut Kerkow befände sich seit der Übernahme in Sanierung (Jochen Beutgen gegenüber Ö1; Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019).

Das alles klingt so, als wären Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Wunderwuzzis, die einen angeblich herabgewirtschafteten Hof auf Vordermann bringen. Dazu kommt noch eine selbst ernannte Bio-Bäuerin und „Visionärin“, die uns erzählt, welche ihrer großartigen Visionen sie nicht alle aus Gut Kerkow umgesetzt hat. Schauen wir einmal ein wenig in die Vergangenheit. War das nicht schon alles vorher da?

Der Visionär, der Gut Kerkow aufgebaut hat.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt: Johannes Niedeggen.
Am 3. Mai 1994 hat er Gut Kerkow von der Treuhand gekauft, und zwar ohne Mitarbeiter und ohne Rinder.
Er war ein Visionär, der Gut Kerkow mit Liebe und Hingabe zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht hat. Davon zeugen viele Medienberichte, unter anderem eine 5-seitige Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011.

Ihm war das nachhaltige Wirtschaften ein grosses Anliegen, und das hat er auf Gut Kerkow in Form der Kreislaufwirtschaft umgesetzt. Auch zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen trug er bei, und machte Gut Kerkow zu einem von 70 Archehöfen Deutschlands.

Neben der Milchkuhhaltung hat er bereits 1994 mit der Aberdeen-Angus-Zucht begonnen und eine Herde mit 100 Angusmutterkühen aufgebaut. Er hat sich für erneuerbare Energie eingesetzt und eine Biogasanlage sowie eine öffentliche Tankstelle für Diesel und Pflanzenöl gebaut. Zwei seiner Traktoren hat er für Rapsöl umgerüstet und konnte das kaltgepresste Rapsöl als Treibstoff nutzen. Auch war er bei der größten europäischen Biofachmesse, der Biofach, im Jahr 2012 Vortragender zum Thema Biogas.
Er baute das Gutshaus zur Pension um, richtete eine Gaststätte, einen Veranstaltungsraum und einen Bauernmarkt ein. Überdies baute er eine „Registrierte Schlachtstätte“ für die Hofschlachtung. Er setzte sich sehr für das Tierwohl ein und ließ seine Schafe und Rinder das ganze Jahr über halbwild auf den Wiesen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin leben. Johannes Niedeggen hat 5 Millionen Euro investiert und 22 Arbeitsplätze geschaffen. (Quelle: Homepage von Gut Kerkow vom 24.12.2006)

Also alles schon da, als Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Gut Kerkow kaufen, oder? Und von desolat oder marode kann auch nicht die Rede sein. Denn: der Ortsvorsteher von Kerkow, Reinhard Koslowski beschrieb 2013, als Johannes Niedeggen verunglückte, Gut Kerkow als moderenen Bio-und Erlebnishof, der sich durch zahlreiche Initiativen, von Regionalvermarktung bis Landpartie, einen Namen gemacht hat, der weit über Kerkow und die Uckermark ausstrahlt. (MOZ, 28.2.2013)

In ihrem neuen Buch schreibt Sarah Wiener „Vor allem aber wurden vor einigen Jahren die ersten Weichen in Richtung ökologische Landwirtschaft gestellt.“ Eigentlich war der Betrieb bereits seit 2011 komplett auf bio, also ökologisch, umgestellt. Da waren keine Weichen mehr. Es war alles schon erledigt. Auch Bilder des Guts aus der Zeit von Johannes Niedeggen und Berichte darüber zeigen einen wunderbaren Bio-Gutsbetrieb. Ich sehe jetzt nicht grossartig eine Änderung durch Sarah Wiener als „Chefideologin“. Aber schauen wir uns doch eine ihrer „visionären“ Ideen an.

Die Vision von der Fruchtfolge.

Wenn sie sagt „Meine Idee war zum Beispiel einfach die siebenjährige Fruchtfolge einzuführen.“ (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) kann es sein, dass viele Landwirte komische Gesichter machen.

Johannes Niedeggen hat es sicher nicht viel anders gemacht, denn angesichts der Kulturen, die er angebaut hat (Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011), war auch nicht viel anderes möglich.




Landwirte achten grundsätzlich auf die Fruchtfolge. Vielleicht nicht sieben Jahre, aber sie planen mindestens 5 Jahre voraus, denn sie möchten ja eine gute Ernte. Und das funktioniert ohne kluge, geplante Fruchtfolge nicht. Noch dazu gibt es etliche Kulturen, die einen Fruchtfolgeabstand von mindestens 4-5 Jahren benötigen. Das gilt nicht nur für Bio-Betriebe, sondern auch für die konventionelle Bewirtschaftung.

Laut dem letzten Biozertifikat gibt es auf Gut Kerkow Silomais, Grün- und Raufutter und Getreide. Eine Rückfrage am Gut Kerkow hat ergeben, dass kein Mais angebaut wird, sondern Gerste, Roggen, Winterweizen, Dinkel, Sommerroggen und Sommerhafer. Für die Fruchtfolge wird zwischen diesen Kulturen 2 Jahre, manchmal auch länger, Kleegras angebaut (das für die Rinder benötigt wird).

Ich frage mich, was daran gross neu und innovativ sein soll? Das machen andere Landwirte auch. Das hat Sarah Wiener nicht erfunden. Vor allem: wenn man mit dem, was man anbaut, hauptsächlich Tierfutter „produzieren“ muss, dann hat man nicht viele Möglichkeiten. Das ist sozusagen „aufgelegt“, wie wir Österreich so schön zu sagen pflegen.

Bei der Auswahl von Getreide und Kleegras ist der Plan für die nächsten sieben Jahre nicht sehr kompliziert. Es gibt Bio-Landwirte, die bauen andere Kulturen an, da wird das schon weit komplexer.
Und warum wird auf Gut Kerkow kein Gemüse angebaut? Dann könnte man das eigene Gemüse über den Bioladen vermarkten und müßte das nicht zukaufen. Kürbisse, zum Beispiel, würden sich bei den sandigen Böden dort sehr gut eignen. (Auch ich kann gute Tips geben.)

Ich freue mich auf viele Kommentare, Herzerln, und natürlich wenn Sie meinen Blog teilen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaf tund Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

51

Märchen Nummer 2 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Die Vorgeschichte: In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagte Sarah Wiener: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“

Diese Aussage ist falsch, wie unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in einem Schreiben erklärt.


Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner.

Sprechen wir über die Empfänger von Agrarförderungen, die „keine Bauern sind“. Sprechen wir über Sarah und ihre Landwirtschaft. Gut Kerkow. Das ist zwar ein landwirtschaftlicher Betrieb, aber – wer sind die Eigentümer? Sind das Landwirte? Wer sind die von Sarah Wiener immer im Zusammenhang mit Gut Kerkow und der Sarah Wiener Gruppe genannten Partner?

Es sind Investoren. Grosse Investoren. In einem Interview (erschienen im Kurier am 5.2.2016) sagte Sarah Wiener: „Leute mit Knete und Fonds sehen Boden als Wertanlage und treiben die Preise in die Höhe. Eine bedenkliche Entwicklung.“

Und auch der frühere Eigentümer von Gut Kerkow, Johannes Niedeggen (2013 tödlich verunglückt), war dieser Meinung. In einem Report von Deutschlandfunk Kultur im Jahr 2008 ist unter anderem über ihn zu lesen: „Was ihm nicht gefällt, ist der Einstieg von Finanzinvestoren in die Landwirtschaft“.

Bei Sarah Wieners Partner handelt es sich nicht nur um Personen, sondern auch um Gesellschaften (Ges.m.b.H.) und AGs. Rund um Sarah Wiener findet sich ein Firmengeflecht, bei dessen Betrachtung man sich schon fragt: ist das wirklich notwendig? Da gibt es einen Gutsbetrieb, der 800 Hektar bewirtschaftet. Er ist auf die Rinderzucht und die Vermarktung von Rindfleisch spezialisiert und verfügt über eine Biogas-Anlage und einen Ab-Hof-Verkauf mit Bioladen. Eine ganz simple Sache.

Und dann sieht man das Unternehmenskonstrukt rund um Gut Kerkow und fragt:
Was hat das mit Landwirtschaft zu tun?


Firmengeflecht-gross-mit-GF


Wenn man sich das so ansieht, dann könnte man meinen, mit all den Finanziers im Hintergrund könnte Sarah Wiener ganz locker auf Agrarsubventionen verzichten. Vor allem weil sie ja dagegen ist, dass diejenigen, die keine Landwirte sind, welche erhalten. Verzichten ist auch ganz einfach. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen.

Werner Kogler (Die Grünen) verteidigt die Förderungen (2017: 316.867 Euro, 2016: 320.100 Euro) für den Hof von Sarah Wiener in der ZIB 2 am 17.3.2019 und meint „[…] Sie hat einen biologischen Hof, der mit Hofschlachtung – alles pico bello – sie haben die Bodenhaltung bei Tieren […] Das ist ja ein Kollektivgut. Sie müssen ja verstehen: das war in der ehemaligen DDR dort. Das ist dort ein kleiner oder mittlerer Betrieb. Das ist eine völlig andere Situation dort an der polnischen Grenze. Im übrigen haben sich das ja mehrere aufgeteilt, und sie hat einen Anteil von 20 Prozent.“

Also ich gehe schon davon aus, dass auf Gut Kerkow die Rinder und Schweine auf dem Boden gehalten werden, wie auf anderen Bauernhöfen auch. Was da an der polnischen Grenze – knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer – grossartig anders sein soll als bei uns, weiss ich jetzt nicht. Und dass sich die Eigentümer von Gut Kerkow die Agrarsubventionen aufgeteilt und quasi nach Hause genommen haben sollen, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Aber wenn eine „kollektive Landwirtschaft à la Werner Kogler“ so aussieht wie jene von Gut Kerkow (siehe Graphik), dann haben die Grünen vielleicht ein kleines ideologisches Problem.
Übrigens: die Mitarbeiter sollen – laut telephonischer Nachfrage am Gut – nicht beteiligt sein.

Agrarland entwickelt sich immer mehr zu einer sehr attraktiven Anlageform für Investoren und Großkonzerne. Der Ausverkauf der Landwirtschaft läuft bereits über Jahrzehnte. Vor allem im ehemaligen Ostdeutschland wurden nach der Wende Agrarflächen zu Anlagezwecken von finanzstarken Unternehmen erworben.


Nun fällt einem in diesem Firmengeflecht ein Name immer wieder auf: Jochen (Thomas) Beutgen (geb. Becker). Er ist immer „mit dabei“. Zumeist als Gesellschafter, Geschäftsführer, manchmal auch als Prokurist oder in anderer Funktion. Man muss nicht lange recherchieren, um ihn in vielen Unternehmen, hauptsächlich im Immobilien- und Beteiligungsbereich, in unterschiedlichen Funktionen zu finden. Einige Beispiele sind: Becker Vermögensverwaltung KG, Berlin Bioinvest GmbH, Dirk Buddensiek Holding GmbH, Social Enterprise Holding Berlin AG und Trafo Investment GmbH.

Bis 2018 war Jochen Beutgen persönlich haftender Gesellschafter in der damaligen Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb KG. Dann wurde die Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH als 100%-ige Tochter der Gut Kerkow Landwirtschaftsbetrieb GmbH & Co.KG gegründet. Und die neu gegründete Gut Kerkow Verwaltungs-GmbH wurde Komplementärin des Mutterunternehmens. Wozu das gut sein soll? Das kann jeder für sich interpretieren.

Angesichts der sehr interessanten Unternehmens- und Beteiligungskonstellationen rund um Sarah Wiener und Gut Kerkow muss man sich fragen, mit wem und womit man es zu tun hat. Und wer hat hier eigentlich das Sagen?



Ich freue mich auf viele Kommentare, Herzerln, und natürlich wenn Sie meinen Blog teilen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1 Das Märchen von den Agrarsubventionen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt „Die zitierte Aussage on Frau Sarah Wiener […] ist schlichtweg falsch.“
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

43

Märchen Nummer 1 der Sarah Wiener.

Ein Bericht und Kommentar von Birgit Medlitsch.

Wir sehen weites Land.
Unser Land.
Das Land unserer Bauern.
Land, auf dem das wächst, was wir brauchen.
Bestellt, behütet und beerntet.
Da steht er, der Bauer.
Ein Mensch, der nichts anderes möchte,
als das bewahren, was uns ernährt.
Wissend um die Natur. Wissend um alles,
was das bedroht, was uns ernährt.

Er lebt in und mit der Natur und trotzt ihren Gewalten, wenn es darum geht, das zu tun, was getan werden muss. Weil es die Natur verlangt. Und er tut es gern. Und ehrlich.

Und jetzt?
Jetzt kommt Sarah.
Sarah erzählt ihm, dass er es nicht richtig macht.
Also falsch macht er es.
Ganz falsch.
Und Geld bekommt er. Agrarsubventionen, also Förderungen.
Und die soll er gar nicht bekommen.
Sagt Sarah.

Das Märchen von den Agrarsubventionen.
Sarah erzählt uns etwas über Landwirtschaft. Sie erzählt von Agrarsubventionen, die jeder bekommen kann. In einem Interview (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) sagt sie: „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert. Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst, und wer’s hat, und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“
Gut, dass Sarah Wiener dagegen ist. Ich bin nämlich auch dagegen. Weil es so etwas nicht gibt. Das, was Sarah Wiener in diesem Interview gesagt hat, gibt es nicht.

Die Wahrheit über die Agrarsubventionen.
Wenn man kein Landwirt ist, bekommt man auch keine Agrarsubventionen. Um Agrarsubventionen, von unseren Bauern schlicht „Förderungen“ genannt, zu erhalten, muss man einen Antrag stellen, den sogenannten Mehrfachantrag. Dafür ist eine landwirtschaftliche Betriebsnummer erforderlich. Diese bekommt man nicht einfach so. Und es ist auch nicht egal, was man mit dem Land macht. Man muss darauf landwirtschaftliche Produkte erzeugen. Anbauen, kultivieren, ernten. Und noch vieles mehr müssen Landwirte tun, um überhaupt eine Chance auf irgendeine Förderung, sei es nur die von Sarah Wiener gerne genannte „Flächenprämie“, zu haben.
Sarah kann also gern dagegen sein, weil es das, was sie in einem Interview mit Ö1 von sich gibt, nicht gibt. Und sie kann sich hier auch nicht geirrt haben. Denn in Deutschland gelten die gleichen Regeln wie bei uns. Es handelt sich ja um Förderungen der EU.

Ich habe in Deutschland nachgefragt, und zwar in Bayern. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schreibt unter anderem: „So gewährt z.B. die erste Säule Landwirten je Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche eine von Art und Umfang der Produktion unabhängige Direktzahlung. Um die Direktzahlungen zu erhalten, müssen allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind in Deutschland bzw. Bayern, wie in Österreich auch, u. a. eine Betriebsnummer und der Mehrfachantrag. Zudem müssen die Landwirte eine Reihe von Auflagen beim Umweltschutz aber auch bei der Lebensmittelsicherheit und beim Tierschutz einhalten. […] Die zitierte Aussage von Frau Sarah Wiener „Also jeder Hektar wird subventioniert, egal, was Du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist“ ist auch für deutsche bzw. bayerische Landwirte schlichtweg falsch.“

Da behauptet Sarah Wiener in einem Interview etwas, was hinten und vorne nicht stimmt, und niemand sagt etwas dazu. Kein Korrektiv.

Nicht von der Landwirtschaftsministerin, Elisabeth Köstinger, nicht vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, und nicht vom Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser. Wenigstens der – als Präsident einer Teilorganisation der ÖVP – hätte doch etwas sagen können, um diese Behauptungen, mit denen gegen Bauern gehetzt wird, richtig zu stellen. Nein.


Und die Medien? Was machen die? Die teilen das den Lesern 1:1 mit. Nicht nachgeprüft. Nicht kritisch hinterfragt. Einfach so. Abgeschrieben. Die APA schickt es aus, die deutsche Presseagentur ebenfalls, und diverse Tageszeitungen drucken diese falschen Behauptungen unkommentiert ab.

Eine Schande für die freie Presse und eine Schande für die Vertreter der Landwirte.
Da stellt sich schon die Frage, ob Journalisten nur noch „abschreiben“ oder auch noch selbst recherchieren können. Und – was noch schlimmer ist – ob Landwirte in Österreich noch eine Vertretung und Lobby haben. Aber – zurück zu Sarah Wiener. Wenn sie dagegen ist, dass jemand Agrarsubventionen erhält, der kein Landwirt ist, hätte sie ja für Gut Kerkow auf 316.867 Euro (im Jahr 2017, 320.100 Euro im Jahr 2016) verzichten können. Man muss ja keinen Mehrfachantrag einreichen. Niemand wird dazu gezwungen. Die Förderungen kommen ja nicht automatisch. Da muss man schon etwas dafür tun.

Und sie hätte sie ja auch nicht nötig. Denn anders als die richtigen Landwirte, braucht Sarah Wiener keine Bank, bei der sie alle paar Monate untertänigst vorstellig werden muss. Sie braucht auch nicht zittern, dass sie den Kredit nicht zurückzahlen kann, weil die Ernte katastrophal schlecht ist, weil es nicht regnet oder der Derbrüsselkäfer die Zuckerrüben eliminiert hat.

Das braucht sie alles nicht. Warum? Das erfahren Sie in meinem nächsten Blog.

Ich freue mich auf viele Kommentare, Herzerln, und natürlich wenn Sie meinen Blog teilen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 2 Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner. Wer sind ihre Partner – und was hat dieses Unternehmenskonstrukt noch mit Landwirtschaft zu tun?
Märchen Nummer 3 Das Märchen von der Visionärin. Oder: Johannes Niedeggen – der wahre Visionär auf Gut Kerkow.
Märchen Nummer 4 Das Märchen von der Bio-Bäuerin, die keine Bank braucht.
Märchen Nummer 5 Das Märchen von der erfolgreichen Geschäftsfrau. Oder: Was ist Erfolg?


Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

49

Das ist traurig.

Die ersten Rüben haben wir verloren. Dann die zweiten Rüben. Und jetzt hofft Herbert, dass die Kürbisse keimen, obwohl der Kürbisacker kurz nach dem Anbau starkem Regen ausgesetzt und „überschwemmt“ war.

Da sitzt sie neben mir, meine Mama.
Nach vorne gebeugt und schüttelt den Kopf.

Wir fahren die Landstrasse entlang.
Sie sieht aus dem Fenster, auf die Felder.
Wieder schüttelt sie den Kopf. „Das ist traurig.“ weiterlesen

Falls Ihnen mein Blogartikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie ihn auch mit anderen teilen
und vielleicht hier gleich rechts auf das Herzerl drücken.

Sie haben auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

5